Veröffentlicht 8:00

Harte Entscheidungen: Inafune über Soul Sacrifice

Soul Sacrifice for PS Vita

In der Welt der Videospiele ist Keiji Inafune sowas wie ein Promi. Der Grafiker und Produktionsleiter von Capcom war maßgeblich an unzähligen Spiele, wie zum Beispiel Mega Man, Resident Evil oder Lost Planet, beteiligt.

Mit seiner neuen Rolle bei Comcept and Intercept hat er seinen Einfluss auf noch mehr Projekte – wie den kommenden “Dark Fanatasy”-Titel Soul Sacrifice für PS Vita – ausgeweitet. Während der gamescom 2012 letzte Woche haben wir Inafune getroffen und ihn ein wenig über sein ambitioniertes Spiel ausgefragt.

Soul Sacrifice on PS VitaSoul Sacrifice on PS Vita

PlayStation.Blog: Wie schafft man es, etwas so schmerzhaftes wie –Opferung– in ein unterhaltsames Gameplay Setting umzugestalten?

Keiji Inafune: Wenn man “Opferung” hört, klingt das natürlich schmerzvoll. Das ist es aber nur, weil man bei diesem Wort sofort an Selbstopferung denkt. Wenn du zusammen mit einem Freund spielst, kann es auf eine ungewöhnliche Art und Weise unterhaltsam sein, weil Dialoge zustande kommen. Wenn mein Charakter am Sterben ist, und mein Freund entscheidet sich dazu mich zu opfern, würde ich sagen: “Hey, was tust du da? Opfer mich doch nicht!”

So entsteht ein Dialog, ein Grund darüber nachzudenken auf welche Arten man einen Kampf angehen kann. Es kann auch zu verschiedenen helfenhaften Taten führen: du kannst ausweglose Situationen retten, indem du dich selbst oder deinen Freund opferst, oder deinen Freund bittest sich für das Wohl aller zu opfern. Das ist vielleicht nicht immer “lustig”, aber es bringt eine neue Art der Unterhaltung.

Ein großes Thema des Spiel ist es, dass du gezwungen wirst Entscheidungen zu treffen. Natürlich kannst du auch kleinere Opfer bringen – alles was du in der Umgebung findest, kannst du als Opfergabe anbieten, Steine, oder eine Ratte vielleicht – aber diese geben dir auch nur eine kleine Menge an Kraft. Je mehr du opferst, desto mehr bekommst du. Die Entscheidung kann der Spieler selbst treffen.

PSB: Wenn du die Hintergrundgeschichte von jemandem nicht kennst, fällt es leichter ihn zu töten. Möchtest du, dass wir mit diesen Monstern sympathisieren?

KI: Eines der Dinge, die ich darstellen möchte, ist das Gefühl der Schuld, ein Gefühl der Vielschichtigkeit. Es gibt also Opferung, aber genauso gibt es Rettung. Das sind die beiden extremen Möglichkeiten, zwischen denen du wählen musst, das Dilemma, dem du immer wieder gegenüberstehst. Ich möchte, dass du etwas opferst, aber auch, dass du über eine mögliche Rettung nachdenkst. Vielleicht kämpfst du gegen einen mächtigen Gegner, findest aber heraus, dass er eine kranke Tochter hat, für die er Geld braucht, das er sich nur in Kämpfen verdienen kann. Wenn du das während dem Kampf hörst, wird deine gute Seite darüber nachdenken den Kampf absichtlich zu verlieren, damit er seine Tochter retten kann. Andererseits willst du deinen Kampf aber auch gewinnen!

Du fühlst also diese komplexen Gefühle. Ich möchte, dass sich ein Großteil des Spieles darum dreht. Kannst du in solchen Situationen extreme Entscheidungen treffen?

Soul Sacrifice on PS Vita

PSB: Findest du, dass moralische Mehrdeutigkeit etwas ist, dass in Videospielen viel zu kurz kommt? Sind zu viele Geschichten in Spielen nur schwarz/weiß, Gut gegen Böse?

KI: Ich habe die Entwicklung der Spiele-Industrie die letzten 25 Jahre beobachtet; Ich habe aus meiner Position heraus alles aus der ersten Reihe miterleben können. In vielen modernen Action-Spielen geht es darum wie realistisch man das Erlebnis machen kann, wie sensationell die Action ist.

Aber die Entwickler der besten Spiele heutzutage haben begriffen, dass sie mehr als nur realistisch und aufsehenerregend sein müssen. Sie denken darüber nach wie man etwas Neues erschaffen kann, das auch starke emotionale Aspekte mit sich bringt. Natürlich musste ich mir auch Gedanken darüber machen, um auf globaler Ebene mit den Top Spieleentwicklern mithalten zu können. Ich denke, dass alle Projekte, die ich in der Zukunft angehen werde, diesen emotionalen Aspekt in sich vereinen werden.

PSB: Gibt es Vorteile der Opferung gegenüber der Rettung? Entwickelt sich der Charater anders?

KI: Wahrscheinlich hast du schon gehört, dass sich dein Character durch ein Vielzahl an Möglichkeiten anpassen lässt. Und natürlich, so wie du dich entscheidest zu kämpfen, wird sich auch das Erscheinungsbild deines Charakters verändern. Je nachdem welcher der beiden Entscheidungen du folgst, wird dein Aussehen sich in diese Richtung verändern; wie eine Lichtgestalt, wenn du den Retter spielst, oder richtig böse, wenn du immer weiter opferst.

Wenn du einen extremen Weg einschlägst, wird es mit der Zeit aber schwierig werden diesen Weg auch konsequent weiter zu gehen. Wenn es zu diesem Zeitpunkt leichter ist einen Gegner zu opfern, obwohl du ihn eigentlich retten willst, wirst du wahrscheinlich einer schwierigen Entscheidung gegenüberstehen. Aber es gibt natürlich Mittel und Wege einen extremen Weg auch bis zum Ende zu gehen, und du wirst ein hohes Maß an Macht erhalten wenn du dich für diesen harten Weg entscheidest. Das könnte einen großen Effekt haben, wenn du in einer Gruppe spielst – du könntest durch diesen harten Weg viel Kraft beisteuern.

PSB: Was kannst du uns noch über den Muliplayer-Modus von Soul Sacrifice erzählen? Wie können die verschiedenen Spieler zusammenarbeiten?

KI: Der Multiplayer-Modus ist definitiv ein großer und wichtiger Teil von Soul Sacrifice. Es geht nicht nur darum mit vier Spielern zusammen Monster zu bekämpfen. Du musst deine Gruppe strategisch aufbauen und über deine Wahl der Zauber nachdenken. Weil alle Spieler in Soul Sacrifice Hexer sind, kannst du auch nur Zauberei benutzen. Ein Spieler könnte aggressiv an der Front kämpfen wollen, während andere eher defensiv spielen und mehr Heilungen wirken. Wieder ein anderer könnte das Team unterstützen und beispielsweise die Zeit anhalten.

Jede Gruppe wird eine andere Strategie haben, verschiedene Arten zu kämpfen. Das ist definitiv ein großes Element des Spiels

Soul Sacrifice on PS VitaSoul Sacrifice on PS Vita

PSB: Viele Entwickler wenden bei der Konzeption von PS Vita-Spielen unterschiedliche Strategien an – von kleinen Spielehäppchen bis hin zu Projekten in der Größenordnung von Konsolenspielen. Was meinst du bietet sich am besten als portables Spiel an?

KI: Da ich sehr bei den Monster Hunter-Spielen involviert bin, die ja Pionierarbeit beim Multiplayer der portablen Geräten geleistet hat, glaube ich, dass meine Erfahrungen sehr wertvoll in Bezug auf die Möglichkeiten der PS Vita sein werden. Natürlich gibt es viele Ansätze, aber ich glaube, dass Real-Time Online Multiplayer auf portablen Geräten den größten Spaß macht – auch wenn es sehr herausfordernd sein kann sie zu entwickeln.

In der tragbaren Spielewelt kannst du keine stundenlangen Gameplay-Passagen haben – 30 Minuten sind wahrscheinlich ein guter Richtwert. Es ist wie ein Buch, das man Kapitel für Kapitel in kleinen Häppchen zusich nimmt. Und am Ende jedes Kapitels möchte man Resultate sehen. In Soul Sacrifice bekämpfst du beispielsweise den Boss Charakter und am Ende dieses Kampfes entscheidest du dich ob du ihn rettest oder opferst. Nach jedem Kapitel gibt es also Ergebnisse. Nach dem Ende des kompletten Spiels, hast du dann ein “Buch” voller Erfahrungen. Aus meiner Sicht ist diese Designphilosophie für die PS Vita sehr sinnvoll.

PSB: Was kannst du uns noch über die Welt von Soul Sacrifice verraten? Was hat dich inspiriert?

KI: Du beginnst Soul Sacrifice als schwacher Mensch ohne Hoffnung, der in einer mysteriösen Zelle gefangen ist und auf seine Opferung wartet. Ich wollte eine dunkle Fantasy-Welt erschaffen, es geht nicht nur darum eine Geschichte zu erschaffen. Wenn sich dein Charakter in einer hoffnungslosen Situation befindet, und du es aus seiner Sicht sehen würdest, wäre alles dunkel und deprimierend. Dark Fantasy entsteht durch die Situation, in der du dich befindest.

PSB: Du hast erwähnt, dass du dieses Spiel auch gemacht hast, weil du dich selbst in deiner Karriere aufopfern musstest. Hast du in deinem Leben mehr gerettet, oder mehr geopfert?

KI: [lacht] Ich denke, dass ich bis jetzt mehr geopfert habe. Aber ich glaube dadurch auch etwas zurückbekommen zu haben. Ich möchte Leute retten … Ich möchte viel retten und nach vorne gehen.

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