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Last Day of June – Emotionale Mischung aus Herzschmerz, Zeitreisen und Impressionismus

Dieses kleine Kunstwerk aus Italien spielt gekonnt mir unseren Gefühlen

Leider konnten wir nicht viel Zeit mit Mattia Traverso, Lead Game Designer bei Ovosonico, und seinem jüngsten Projekt — Last Day of June — verbringen, aber der erste Eindruck hat bereits gesessen. Das kleine Kunstwerk nutzt allerlei subtile Mittel, um sich unter die Haut der Spieler zu schleichen und dort mit unserer Gefühlsebene zu spielen.

Sieht man sich jedoch die Talente hinter dem Titel an, wird schnell klar, wie die stimmige Päsentation des Titels zustande kommt, denn Director Massimo Guarini (Murasaki Baby, Shadows of the Damned) und Writer/Director Jess Cope (Animator bei “Frankenweenie”, Director des Metallica-Musikvideos “Here Comes Revenge”) wissen, wie man mit Bild und Ton umgehen muss, um starke Emotionen zu erzeugen!

Aber worum geht’s eigentlich in Last Day of June?

Eine tragische Geschichte

Kurz gesagt ist Last Day of June eine interaktive Geschichte über Liebe und Verlust. Wir begleiten den etwas schrulligen aber sehr liebenswerten Carl und seine Freundin June zu einem wunderschönen Ausflug an den See. “Wir arbeiten in Sachen Präsentation viel mit impressionistischen Stilmitteln. Im Impressionismus wird vieles mit Farben transportiert und da unsere Charaktere weder Augen, Sprache oder ausgeprägte Mimik besitzen, vermitteln wir dadurch bestimmte Emotionen”, erklärt uns Traverso.

Und das Konzept geht auf, denn der Tag am See wird begleitet von sanften, warmen Farben, während das Paar Zeit miteinander verbringt. “Wenn man allerdings genau hinsieht, erkennt man bereits in der ersten Szene einige dunkle und kalte Flecken. Hier wird bereits suggeriert, dass die kalte Realität in jedem Moment zuschlagen kann!”

Und das tut sie auch, denn auf der Fahrt nach Hause wird June Opfer eines Autounfalls. Hier startet die Prämisse des Titels, denn Carl erhält die Chance den Tag noch einmal zu erleben und die Ereignisse so zu ändern, dass er Junes Leben retten kann.

“Die Kernfrage des Titels ist, was wir tun würden, um die, die wir lieben, zu retten,” so Traverso.

Musikalisches Rätselvergnügen

Aber nicht nur die Darstellung des Titels hat besondere Aufmerksamkeit verdient, denn die Entwickler haben viele kleine Details eingebaut, die sich durch eure Handlungen im Spielverlauf geändert werden können. Spoilerfreies Beispiell: June zeichnet am See ein Bild von Carl. Steckt sich dieser auf seinem Rundgang eine geplückte Blume an die Brust, ist diese in Junes Zeichnung vorhanden. Natürlich könntet ihr auch einfach “sie liebt mich, sie liebt mich nicht” mit der Pflanze spielen. Solche scheinbar unrelevanten Aktionen ziehen sich durch das ganze Spiel, aber wer weiß, vielleicht rettet eine davon June das Leben!

Besonders stimmig wirkt neben der Grafik der Soundtrack von Steven Wilson, seines Zeichens britischer Musiker und der Kopf hinter der Band Porcupine Tree. Wilson war zunächst allerdings wenig begeistert von dem Projekt. “Als wir ihn um eine Kooperation baten, meinte er, dass er kein Interesse an Videospielen hätte,” erzählt uns Traverso mit aufkeimendem Stolz in der Stimme. “Daraufhin erstellten wir den ersten Abschnitt des Titels, die Szene am See, und ließen sie ihm zukommen. Kurz darauf stimmte Wilson nicht nur einer Kooperation zu, er erklärte sich bereit, den ganzen Soundtrack zu produzieren!”

Wer also auf interaktive Geschichten mit Puzzleelementen steht, sollte Last Day of June auf jeden Fall im Auge behalten, denn was wir sehen und hören konnten, verspricht ein bezauberndes Erlebnis zu werden! Laut Matteo Traverso soll der Titel noch dieses Jahr erscheinen.

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