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Klassische Levels unter der Lupe: Horizon Zero Dawn – Rotschlund

Lead Quest Designer David Ford und Machine Design Lead Dennis Zopfi sprechen über die ultimative Maschinenjagd.

Alex Wiltshire, Contributing Editor:

Tief im Carja-Territorium streift eine Maschine umher, die jeden Jäger in Angst und Schrecken versetzt: der legendäre Rotschlund. Eine mechanische Bestie von solcher Kraft und Wildheit, dass sie jeden getötet hat, der ihr über den Weg gelaufen ist. Und nun werdet ihr sie endlich erlegen.

Die Geschichte von Rotschlund zieht sich durch die Jägerloge-Questlinie von Horizon Zero Dawn. Erzählungen über seine Opfer begleiten euren Beitritt in diesen altmodischen Club der großen Maschinenjäger, und Geschichten über den Ruhm, den derjenige ernten wird, der ihn erlegt, folgen eurem Aufstieg durch die Ränge. Alles ist sorgsam darauf ausgelegt, euch schließlich tief in eine entlegene Region zu führen, in der ihr eine Begegnung habt, die nicht nur Folgen für die Hauptfigur Aloy, sondern auch für die gesamte Jägerloge haben wird.

Doch Rotschlunds Wurzeln liegen weit entfernt von seiner Dschungelheimat. Sie lassen sich bis zu der Entscheidung eines Grafikers in den Anfangstagen der Entwicklung des Spiels zurückverfolgen, eine Donnerkiefer-Statue in einem Gebäude in der Hauptstadt Meridian aufzustellen.

„Ich war sofort begeistert davon, wie cool das aussah”, erzählt der Lead Quest Designer David Ford. Diese spektakuläre Statue brachte ihn sofort auf die Idee, dass sie das Kernstück des Hauptquartiers von irgendeiner Art Jägergilde sein könnte. Also begann er, diese Idee gemeinsam mit dem Lead Writer Ben McCaw weiterzuentwickeln. Sie überlegten sich eine Hierarchie, in der man dadurch aufsteigt, dass man immer größere Beute erlegt, und brachten Talanah in dieser Hierarchie unter, eine Figur, die in einem der ersten Prototypen des Spiels vorkam.

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Das orginale Designkonzept für das Innere der Hunter’s Lodge…

„Wir wollten uns bis zu diesem legendären Donnerkiefer hocharbeiten, den die Menschen schon seit Jahren jagen und der durch Glück und Stärke bisher jeden getötet hat”, erklärt Ford. Denn Rotschlund ist ein Donnerkiefer, eine riesige Maschine mit zwei Beinen, die das Territorium der Carja unsicher macht und wie ein Tyrannosaurus Rex aussieht.

Der Donnerkiefer verkörpert pure Angriffskraft. „Da Aloy so unglaublich wendig ist, versucht der Spieler die meiste Zeit über, sich von den Maschinen fernzuhalten, während die Maschinen versuchen, näher an sie heranzukommen”, erläutert Lead Machine Designer Dennis Zopfi. Aber Donnerkiefer sind ihrer Beute auf jede Distanz überlegen. Sie können beißen und mit dem Schwanz um sich schlagen, Laser und Maschinengewehre abfeuern und sind mit zwei Scheibenwerfern ausgestattet, die einen drohnenartigen Sprengkopf in die Luft schießen, der Aloy erfasst und dann auf sie hinabschießt.

Wenn ihr die Jägerloge findet, seid ihr schon einigen Donnerkiefern begegnet. Vielleicht habt ihr einen weiten Bogen um sie gemacht oder versucht, es mit einem aufzunehmen, aber auf jeden Fall habt ihr einen Eindruck von ihrer Kraft bekommen. Wenn ihr also zum ersten Mal vom langen Kampf der Loge gegen Rotschlund hört, wisst ihr bereits, dass er zum Fürchten ist. Aber zuerst müsst ihr euch der Loge anschließen, und hier begegnet ihr Ahsis, dem Anführer, und werdet daran erinnert, welche große Außenseiterin Aloy in dieser Stadt ist.

Als Anhänger des tyrannischen alten Sonnenkönigs erträgt Ahsis die Vorstellung nicht, eine Nora in seine traditionsbesessene Organisation aufzunehmen. „Er ist nicht böse, nur voller Vorurteile, sehr eitel und bereit, alles zu tun, um seine Stellung an der Spitze der Organisation zu wahren”, beschreibt Ford und erklärt, dass diese Questlinie Guerilla die Möglichkeit gegeben hat, den Keil, den der neue Sonnenkönig in die reiche Carja-Gesellschaft getrieben hat, genauer zu beleuchten.

„In den frühen Planungsphasen dieser Questlinie sollte diese Organisation von einem Idioten angeführt werden, und ihr arbeitet mit jemandem zusammen, der ihn stürzen und sich selbst als gütigeren und gerechteren Anführer einsetzen will”, so Ford. Denn auf eurer Seite steht Talanah, die euch eine Aufgabe stellt: Wenn ihr euch bewährt, indem ihr Jagdherausforderungen annehmt, erklärt sie sich bereit, trotz Ahsis’ Ablehnung für eure Aufnahme in die Organisation einzutreten.

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… und die finale Version In-game.

Die Spannung zwischen den beiden Charakteren ist der treibende Faktor des letzten Kapitels der Questlinie, in dem beide versuchen, Rotschlund als Erster zu erlegen. Doch Ahsis spielt ein schmutziges Spiel und heuert Söldner an, um Talanah zu töten. Es liegt an euch, sie zu retten und anschließend gemeinsam mit ihr Rotschlund entgegenzutreten. Diese Sequenz wird von einem Gefühl der Dringlichkeit beherrscht – das Ergebnis einer Reihe von Designtechniken. Da ist die Figur Talanahs, die durch den Wald rennt und der ihr folgen müsst, und als sie die Spur verliert, müsst ihr die Führung übernehmen.

„Das ist auch so eine Sache, die die Spieler dazu bringt, sich zu beeilen”, sagt Ford. „Dann ist da noch die Musik und der buchstäbliche Pfad der Zerstörung, den Rotschlund im Dschungel hinterlassen hat, umgeknickte Bäume, zertrampelte Pflanzen, zerschmetterte Felsen.”

Ihr kommt gerade rechtzeitig an, um zu sehen, wie Rotschlund Ahsis mit dem Schwanz gegen einen Felsen schleudert, und schon im nächsten Moment kämpft ihr selbst gegen ihn. Rotschlund trägt die Spuren vieler Schlachten. Jägerspeere ragen aus seiner Brust, seine Panzerung ist von Löchern übersät und einer seiner Scheibenwerfer fehlt. Nach so vielen Warnungen über die Zähigkeit dieser Bestie und Geschichten darüber, wie sie Jäger mit einem einzigen Hieb ihres Schwanzes tötet, ist dies eine eindrucksvolle Begegnung, nicht zuletzt wegen des Schauplatzes, eines riesigen offenen Gebiets am westlichen Rand der Karte. Hier kann Rotschlund Bäume niederschmettern und euch so jeglichen Schutz vor seinen Fernangriffen nehmen. Und da er nur noch einen Scheibenwerfer hat, habt auch ihr nur eine einzige Chance, ihm schweren Schaden zuzufügen, indem ihr ihm diese Waffe entreißt und gegen ihn einsetzt.
Talanah hilft euch natürlich, aber Guerilla hat dafür gesorgt, dass es wirklich euer Kampf ist. „Wir verringern den Schaden, den sie Rotschlund zufügen kann, wenn dessen Gesundheit sinkt”, erklärt Ford. „So richtet Talanah schließlich gar nichts mehr gegen ihn aus und nimmt euch damit nicht mehr die ganze Arbeit und auch den Spaß ab.”
Rotschlund besitzt mehr Gesundheit als ein gewöhnlicher Donnerkiefer, aber sein Verhalten, seine Fähigkeiten und der Schaden, den er anrichten kann, sind ansonsten gleich. „Es ist ein Placeboeffekt von allen Elementen, die zu diesem Moment führen”, erklärt Zopfi. „Die Dialoge und Grafik unterstützen das Ganze.” Die Mischung aus Dringlichkeit, Handlungsbogen, dem Auftauchen von Rotschlund und dem offenen Schauplatz: All das erzeugt einen intensiven, charakteristischen Kampf, in dem ihr dem Beschuss seines Laserfeuers ausgesetzt seid und euch nach Kräften bemüht, seinem Schwanz auszuweichen.

Selbst wenn ihr vor Rotschlund schon viele Donnerkiefer erlegt habt – ihn letztendlich zu besiegen, ist definitiv ein Augenblick, den ihr im Foto-Modus festhalten solltet. Diese Maschine demonstriert hervorragend, wie eng Geschichte, Umgebungsdesign und Kampf bei Horizon Zero Dawn miteinander verwoben sind, ein bedeutsamer, anspruchsvoller Kampf, der euch das Gefühl gibt, der beste Maschinenjäger von allen zu sein.

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