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Die Story hinter dem Personenkult des RPGs Sacred Fire für PS4

Wie die von euren Charakteren getroffenen Entscheidungen das narrative Abenteuer von Poetic Studio beeinflussen

Andrej Vojtas, Lead Developer, Poetic Studios:

In den meisten RPGs beschränken sich die Rollenspiel- und Charakterschöpfungselemente auf die Auswahl einer Rolle im Kampf und darauf, wie Schaden bewirkt wird. Ich habe dieses Oldschool-Feeling von Rollenspielen vermisst, in denen man kreativ sein kann und austüfteln muss, wie man gegen einen stärkeren Gegner einen Vorteil erzielen oder einem Kampf sogar ganz aus dem Weg gehen kann.

In Sacred Fire seht ihr euch meistens einem stärkeren Gegner gegenüber, während das römische Reich aufmarschiert, um euer Volk zu unterwerfen.

Wir wollten eine ganz neue Art von RPG erschaffen. Ein Spiel, bei dem der Schlüssel zum Erfolg nicht in Waffen, Fähigkeiten und Schadensarten liegt, sondern in der Psychologie der Charaktere. Um diesen Designschwerpunkt zu unterstützen, haben wir ein zahlenbasiertes Persönlichkeitsmodell und Gameplay-Regeln für das Innenleben eines Kriegers entwickelt, die von den Widerstandskämpfen in Kaledonien (ehemaliges Schottland) im 2. Jahrhundert inspiriert wurden.

Statt eine angestaubte Widerstandskriegsstory zu bieten, die nur auf schieres Überleben reduziert ist, ist euer Charakter ein Fremder in dieser auf Ehre basierenden Kultur. Beziehungen und psychologische Motive treiben euch an, nach mehr als bloßem Überleben und Rache zu suchen. Doch könnt ihr der Schwere einer Welt entkommen, die verrückt geworden zu sein scheint? Schafft ihr es, die Wut zu bekämpfen, die sich in euch aufstaut?

Für uns ist genau das die größte Herausforderung und der interessanteste Konflikt im Gameplay – der Konflikt eures Protagonisten, der mit seinen eigenen Gefühlen, Überzeugungen und Weltansichten ringt.

Aus diesem Grund ist Sacred Fire ein narratives RPG, das auf Entscheidungen basiert und von einer taktischen Begegnung zur nächsten fließt. Ihr erschafft und steuert einen einzelnen Charakter und benutzt sowohl im Kampf als auch in Dialogen rundenbasierte Third-Person-Taktiken.

Der Kern

Im Kern geht es in Sacred Fire vor allem darum, eine starke Persönlichkeit zu entwickeln. Ihr braucht sowohl innere Stärke als auch sozialen Einfluss, um die Geschichte in die Richtung voranzutreiben, die ihr einschlagen möchtet.

Sacred Fire

Schritt 1: Wählt ein Geschlecht, einen Namen und passt euren Charakter an.

Die Charakterschöpfung und -prägung unterstützt verschiedene Spielstile und ermöglicht euch in jeder Situation, entweder mit Kraft, Intellekt, Fähigkeiten, Aussehen oder Empathie einen Vorteil zu erzielen.

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Schritt 2: Wählt Abstammung und Haupteigenschaften, die euren Spielstil definieren.

Diese repräsentieren die fünf Elite Traits (Haupteigenschaften): Warrior (Krieger), Leader (Anführer), Genius (Genie), Icon (Ikone), Friend (Freund). Ihr könnt sie beliebig mischen und kombinieren, sodass verschiedene Kampf- und Konfliktlösungstaktiken verfügbar sind.

Der Kampf

In Sacred Fire besteht die Schlüsselmechanik im Kampf darin, dass Fear (Angst) Angriffe schwächt und Anger (Wut) dazu führt, dass man seine Verteidigung vernachlässigt. Ihr könnt Willpower Points (Willenskraftpunkte) benutzen, um eure Treffer- und Ausweichchancen zu verbessern. Je mehr ihr eure Gefühle unter Kontrolle habt, desto mehr steigert ihr eure Opportunity (Chance), besondere Ereignisse freizuschalten, die euch die Chance geben, den Kampf zu euren Gunsten zu wenden.

Doch bereits vor Kampfbeginn erhöhen Intellect (Intellekt), Jagdfertigkeiten und -eigenschaften wie Sechster Sinn eure Chance, einen Hinterhalt aufzuspüren und dem Kampf von vornherein auszuweichen. Mit Empathy (Empathie), Führungsfähigkeiten und der Eigenschaft „Soothing Voice” (Besänftigende Stimme) könnt ihr eine Auseinandersetzung zügeln, bevor sie zu einem bewaffneten Konflikt eskaliert.

Und anstatt Schläge auszutauschen, bis einer tot umfällt, will der KI-Gegner überleben. Daher wird er versuchen, zu fliehen, kapitulieren oder euch als würdigen Verbündeten anerkennen; wenn ihr ihn mit „Intimidate” einschüchtert oder aber Mut, Können oder Schmerzresistenz zeigt.

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Schritt 3: Außer einer umfassenden visuellen Anpassung könnt ihr nützliche Erscheinungsmerkmale wählen.

Erscheinungsmerkmale wie Melodic Voice (melodische Stimme), Fragile Figure (zerbrechliche Gestalt) oder Vivid Gestures (lebhafte Gesten) machen alles, was ihr tut, unvergesslicher. Sie rufen zudem bestimmte Reaktionen hervor. Fragile Figure (zerbrechliche Gestalt) beispielsweise weckt in anderen den Instinkt, euch im Kampf zu beschützen, und ihr werdet seltener als eine Bedrohung angesehen.

Beauty (Schönheit) hilft euch dabei, Menschen für euch zu gewinnen, weckt allerdings auch Neid und irritiert Gegner. Menace (Bedrohung) hilft euch, Gegner einzuschüchtern und kann sie davon abhalten, euch anzugreifen.

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Schritt 4: Wählt Persönlichkeitseigenschaften, die eure Neigungen bestimmen.

Das Persönlichkeits- und Glaubensmodell repräsentiert eine reife und differenzierte Einstellung gegenüber den „Gut”- und „Böse”-Anzeigen. Das Verarbeiten einer Niederlage ist beispielsweise leichter, wenn ihr einen starken Glauben daran habt, dass Happiness (Zufriedenheit) im Leben immer möglich ist. Auf der anderen Seite macht es eben dieser Glaube für euch schwerer, euer Leben zu riskieren, da ihr größere Angst im Kampf verspürt.

Das Wiedererlangen der Kontrolle im Eifer des Gefechts und das Unterlassen des letzten tödlichen Schlags ist leichter, wenn ihr daran glaubt, dass in jedem Menschen Goodness (Gutes) steckt, allerdings erschwert diese Eigenschaft es, Kraft aus der Wut heraus zu schöpfen.

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Schritt 5, Überzeugungen: Entscheidungen in der Geschichte stärken oder schwächen eure Ausgangsüberzeugungen.

Der Glaube daran, dass euch eine Gottheit Favor (Wohlwollen) schenkt, kann euch im Kampf Mut verleihen, jedoch könnt ihr auch übermütig werden und so den Verteidigungsbonus verlieren, den Angst euch gibt. Honor (Ehre) könnte euch benachteiligen, da ihr von keinen schmutzigen Tricks im Kampf Gebrauch machen wollt, hilft euch aber dabei, Verbündete zu finden, da sie euch eher vertrauen.

Die Vor- und Nachteile von positiven und negativen Überzeugungen sind ausbalanciert. Das Ziel ist es, euch die Möglichkeit zu geben, eure verschiedenen Überzeugungen frei zu äußern und deren Auswirkungen zu erfahren.

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Schritt 5, Stimmung: Beeinflusst, wie effektiv ihr eure Emotionen kontrollieren könnt.

Mood (Stimmung) ist abhängig von Stresslevel und Komfort. Gefahr, Schmerz durch Verletzungen, Beziehungskonflikte und traumatische Erinnerungen können allesamt euren Stresslevel erhöhen. Komfort und Sicherheit erlangt ihr durch mächtige Verbündete, eine zuverlässige Klinge in der Hand, luxuriöse Gegenstände und starke Überzeugungen.

Eine gute Stimmung hilft euch dabei, sowohl Kämpfe als auch Konfrontationen in der Geschichte zu gewinnen, da sie euch resistenter gegenüber Fear und Anger macht. Im Gegensatz dazu machen euch Stress und Unbehagen anfälliger für beides.

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Schritt 5, Fähigkeiten: Es gibt viele Wege, um euren Einfluss zu vergrößern.

Die Verwendung von Kampf-, Heil-, Handwerks- und Beziehungs-Fähigkeiten entwickelt sowohl diese als auch die zugehörigen Attribute weiter: Agility und Strength, Intellect und Empathy, Beauty und Menace.

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Schritt 5, Persönlichkeit und Erinnerungen: Macht eure Schwächen zu euren Stärken.

Das Durchleben von sowohl Siegen als auch Niederlagen schafft positive und negative Erinnerungen. Es liegt an euch, genug Willensstärke zu sammeln, um die negativen Erinnerungen zu verarbeiten und damit euren Charakter stärker zu machen.

Authority (Autorität) drückt die innere Stärke eurer Persönlichkeit aus. Es ist die Summe der Erinnerungen, Überzeugungen, Fähigkeiten und Attribute.

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Levelaufstiege wurden so designt, dass sie euch das Gefühl eines nie endenden Charakterschöpfungsprozesses vermitteln.

Sobald ihr genügend Authority gewonnen habt, um aufzusteigen, könnt ihr Charakterpunkte verteilen, um:

  • eure Willensstärke-Kapazität zu erweitern
  • Belohnungseigenschaften wie „6. Sinn”, „Unstoppable (Unaufhaltsam)” oder „Stoic (Stoisch)” zu erhalten, die das Gameplay beeinflussen
  • Worte der Macht freizuschalten – Ideen, die eure fundamentalen Überzeugungen wie „Du bist (nicht) allein”, „Dinge passieren aus (k)einem Grund” oder „Es ist (nicht) genug für alle da” repräsentieren.

Die Schlussfolgerung

Obwohl ihr die äußere Erscheinung, die Attribute und die Geisteshaltung eures Charakters in großem Maße bestimmt, ist der Charakter von Anfang an kein unbeschriebenes Blatt. Ihr seid hin- und hergerissen zwischen den Erinnerungen an eine liebende Mutter und einen Vater, den ihr lieber vergessen würdet, überschattet von einem talentierten und beschützenden Bruder und ringt mit euch zwischen dem Pfad der Rache und dem der Loyalität.

Die Frage ist also nicht nur, ob ihr eure Angst überwinden und Rom verteidigen könnt, sondern auch, ob ihr verhindern könnt, dass die Wut euer Leben bestimmt? Es geht um mehr als um Überleben und Rache. Euer wahrer Kampf beginnt.

1 Kommentare
0 Autorenantworten
TsugumoHanshiro 11 April, 2017 @ 11:10
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Da bin ich mal gespannt. Das hört sich nach einem neuen Konzept an, das richtig gut werden kann.
Hoffentlich gibt es dementsprechend auch verschiedene Enden – sonst ist die Idee nacher nur Makeup.

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