Lasst uns Orks jagen! Die Zwerge angespielt

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Lasst uns Orks jagen! Die Zwerge angespielt

Die Romanreihe von Autor Markus Heitz ist seit Jahren ein Bestseller. Nun wurde von King Art Games der Inhalt des ersten Bandes in ein Videospiel gesteckt, das über weite Strecken zu begeistern vermag.

Sie stürzen sich furchtlos in jede Schlacht, beten zum Schmiedegott Vraccas und verehren Starkbier sowie Frauen mit leichtem Bartwuchs. Dafür meiden sie Magie, Boote und Pferde wann immer sie nur können. Die Zwerge, eine Fantasy-Saga des deutschen Autors Markus Heitz, erfreut sich ungebrochener Beliebtheit.

Genre:
Strategie-Rollenspiel

Systeme:
PS4

Wer hat’s gemacht?
Über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter unterstützten rund 6.000 Backer den Titel, der dadurch über 310.000 US-Dollar lukrierte. Damit setzte King Art Games, ein Entwickler aus Bremen, den ersten Band von Die Zwerge in einem gleichnamigen Rollenspiel um. Herausgeber ist THQ Nordic.

Worum geht’s?
Die episch ausgerichtete Erzählung rund um das Fantasy-Reich des Geborgenen Landes beinhaltet mehrere Handlungsstränge, die ein stimmiges Bild an Ereignissen und Schauplätzen des ersten Romans und seines Helden Tungdil Bolofar zeichnen. Aus diesem Grund standen die Entwickler im regen Austausch mit Heitz, um auch wirklich alle wesentlichen Aspekte zu integrieren.

Das Geborgene Land, Heimat von Menschen, Elfen und Zwergen, wird seit langer Zeit von feindlichen Orkscharen bedroht, die über Gebirgspässe ins Land drängen. Doch die Zwerge leisten erbitterten Widerstand. Währenddessen versuchen die Albae, eine finstere Version der Elfen, an anderer Stelle ins Reich zu gelangen; doch sie scheitern an einer magisch erzeugten Barriere.

Als aber plötzlich sämtliche Verteidigungslinien fallen und sich Untote mitsamt des schrecklichen Dämons Nod’Onn an den Kriegshandlungen beteiligen, droht die Situation zu eskalieren. In Die Zwerge wird klassische High Fantasy geboten, die sich als ideales Grundgerüst für diese Umsetzung entpuppt.

Hauptcharakter Tungdil ist ein junger Zwergenschmied, der als Findelkind bei den Menschen aufwuchs. Großgezogen von seinem Pflegevater, dem Magus Lotlonan, ist er ein denkbar ungewöhnlicher Zwerg. Statt sich für Waffen und wilde Auseinandersetzungen zu begeistern, liest er lieber für sein Leben gern. Im Laufe des rund 20-stündigen Rollenspiels durchlebt der Held natürlich eine umfassende Entwicklung und muss mit einigen anderen Zwergen der Vorlage viele Echtzeit-Schlachten meistern. Um schließlich die Feuerklinge – eine legendäre Waffe – zu schmieden, damit der übermächtige Dämon endlich vernichtet werden kann.

Wie spielt es sich?
An einigen Stellen weicht das Spiel zwar vom Buch ab, bildet jedoch insgesamt eine stimmige, in sich geschlossene Handlung. Dafür zeigt sich insbesondere bei Charakteren und Beschreibungen der Welt, wie treu sich Entwickler King Art Games an die Vorlage gehalten hat. Die Zwergin Giralda hingegen ist neu, fügt sich aber perfekt ins restliche Abenteuer ein und sorgt mit ihrer Questreihe für eine schöne Ergänzung.

Viel Zeit verbringt ihr auf der Weltkarte, die stark an ein Spielbrett erinnert, auf der ihr euch zugweise auf Linien zwischen festgelegten Punkten bewegt. Die dort sichtbare kleine Holzfigur stellt die Reisegruppe dar, während Häuser und Türme sehenswerte Locations wie etwa Ortschaften und Festungen markieren. Außerdem ziehen feindliche Orks und gelegentlich auch Händler über die Karte; bei einer Begegnung mit Gegnern heißt es kämpfen, während bei einer mit Kaufleuten Waren feilgeboten und Gerüchte ausgetauscht werden.

Die meiste aktive Gameplay-Zeit verbringt ihr in den zahlreichen Kämpfen. Vor jeder bewaffneten Auseinandersetzung stehen insgesamt 15 spielbare Charaktere zur Wahl, um eine Vierergruppe zusammenzustellen. Held Tungdil ist dabei obligatorisch, die drei restlichen Kämpfer sind dagegen frei wählbar. Zwar laufen die Gefechte in Echtzeit ab, sie lassen sich jedoch jederzeit pausieren. Jede Figur besitzt eine Leiste mit Aktionspunkten, die sich durch besiegte Feinde und mit der Zeit füllt. Taktischen Tiefgang erhält das Geschehen durch die so gewonnenen Punkte, mit denen ihr eure aktiv gewählten Skills einsetzt.

Quickie oder Langzeitbeziehung?
Mit rund 20 Spielstunden ist Die Zwerge irgendwas dazwischen. Allerdings solltet ihr beachten, dass die Kämpfe bereits auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad viel Geduld und eine gute Strategie erfordern. Möglicherweise verbringt ihr mit eurem neuen Liebling also doch mehr Zeit als geplant.

Gefällt euch, wenn ihr…
…gern taktisch in Rollenspielen vorgeht und nicht vor anspruchsvollen Kämpfen zurückschreckt. Und eine Sympathie für Zwerge schadet natürlich auch nicht, um diesen Titel so richtig zu genießen.

Ideal, um…
…in taktisch anspruchsvollen Schlachten Orks zu vermöbeln, um danach andächtig dem hervorragenden Erzähler zu lauschen.

Besonderheiten:
Eine literarische Vorlage in ein Videospiel umzusetzen, ist an sich nicht bemerkenswert. Es mit so viel Liebe zum Detail zu arrangieren und durch eigene neue Ideen aber ein richtig gutes Spiel abzuliefern, ist immer etwas Besonderes. Großes Lob gibt es zudem für die herausragend schöne Vertonung von Die Zwerge.

Können meine Kinder damit spielen?
Der Titel ist ab 12 Jahren freigegeben. Unter diesem Mindestalter macht das Spiel insofern keinen Sinn, da dem Spieler viel strategisches Geschick abverlangt wird.

Womit überrascht Die Zwerge?
Prägend für den positiven Gesamteindruck sind gewiss die vielen vertonten Dialoge und Erzählabschnitte. Insbesondere die deutsche Synchronisation rangiert im Spitzenfeld: Der bemerkenswert gefühlvolle Erzähler, der jähzornige Zwerg Ingrimmsch oder der oftmals etwas tollpatschige Held Tungdil sind so gut vertont, man möchte den Darstellern am liebsten applaudieren. Über weite Strecken fühlt sich Die Zwerge wie ein gutes Hörbuch an. Bei diesen Erzählungen ist man dann naturgemäß bloß Zuhörer, dennoch zählen jene Passagen eindeutig zu den Höhepunkten des Rollenspiels.