Rache, eiskalt serviert – Mafia III angespielt

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Rache, eiskalt serviert  – Mafia III angespielt

Audivisuell werden neue Maßstäbe gesetzt, während spielerisch mehr Möglichkeiten als früher vorhanden sind. Der Kampf um den Genre-Thron hat begonnen!

Die Spielereihe Mafia existiert seit 2002 und steht seit Beginn für tiefgründige Geschichten und Charaktere im Sumpf des organisierten Verbrechens. Mit dem dritten Teil wird nun endlich auch eine offene Welt mit zahlreichen Beschäftigungsmöglichkeiten abseits der Hauptpfade eingeführt.

Genre:

Open World Action-Adventure

Systeme:

PS4

Wer hat’s gemacht?

Das Spiel hat eine turbulente Geschichte hinter sich und wurde letztlich nach über fünf Jahren Entwicklungszeit beim 2014 gegründeten Studio Hangar 13 fertiggestellt. Das gehört zu 2K Games, dem Publisher von Mafia III.

Worum geht’s?

Lincoln Clay kehrt 1968 aus dem Vietnamkrieg zurück. In New Bordeaux will er seine kriminelle Vergangenheit begraben und ein neues Leben beginnen. Als jedoch seine gesamte Familie von der italienischen Mafia ermordet wird, schwört er bittere Rache.

Im Laufe des Abenteuers findet Lincoln neue Verbündete, die ihn bei seiner Mission unterstützen und er schlussendlich zum neuen Boss der Unterwelt aufsteigen kann. In einer offenen Welt steht der Spieler dabei regelmäßig vor der Wahl, ob mit offener, brutaler Gewalt oder lieber heimlich vorgegangen werden soll.

Wie spielt es sich?

Der Prolog erklärt, warum Lincoln von seinen Rachegedanken so besessen ist und er die Kontrolle in der Stadt an sich reißen will. Dabei gelingt es dem dritten Teil erneut, rasch eine sehr dichte Atmosphäre aufzubauen. Nicht zuletzt deshalb, da die Dialoge erstaunlich gut geschrieben sind und Lincoln durch Krieg und verkorkster Jugend so kaputt ist, dass man einfach wissen möchte, wie es mit ihm weitergeht.

Spielerisch überzeugt Mafia III sowohl in den packenden Shootouts als auch bei heimlicher Vorgehensweise. Und obwohl eben auch letztere ganz vorzüglich funktioniert, werden wohl viele Spieler bevorzugt die offene Konfrontation suchen; denn die Ballereien machen ordentlich Laune und sind ziemlich derb inszeniert. Optisch besonders beeindruckend sind dabei die aufwendigen Trefferanimationen, die die Gefechte noch realistischer wirken lassen. Die Waffen erzeugen auch in ihren ursprünglichen Modifikationen ordentlich Druck, zahlreiche Verbesserungen sorgen unter anderem für mehr Kapazität und Präzision.

Neben den erwähnten Highlights Story und Kämpfen gesellt sich ein weiteres hinzu: Spritztouren. Einen Großteil der Zeit verbringt man im Auto (oder Boot), wobei eine normale und eine Simulations-Steuerung zur Auswahl stehen. Bei letzterer kommen charakteristische Eigenheiten der verschiedenen Vehikel (weiche Federung, bockiges Heck, herausragende Kurvenlage) besser zum Tragen, erfordern dafür mehr Aufmerksamkeit vom Fahrer. Praktisch: Bei Verfolgungsjagden mit der Polizei können nun gezielt Reifen zerschossen werden, um lästige Verfolger leichter loszuwerden.

Quickie oder Langzeitbeziehung?

Wie es sich für ein Open-World-Abenteuer gehört, bietet auch Mafia III zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten abseits der Hauptstory. Und die vielen schicken Autos (und Boote) und über 100 lizenzierte Songs versüßen einem das Abenteuer jedes Mal aufs Neue.

Gefällt euch, wenn ihr…

… gern Grand Theft Auto spielt und zudem ein bisschen mehr Realismus und Story vertragen könnt. Wer dann noch ein Faible für die schillernden Sixties besitzt, kann mit Mafia III eigentlich nichts falsch machen.

Ideal, um…

… einer spannenden Geschichte zu folgen, bei der es ordentlich zur Sache geht. Oder einfach mal mit einem Luxusschlitten durch die Stadt brausen, um die fantastische Next-Gen-Aussicht zu genießen.

Besonderheiten:

Bislang war Grand Theft Auto das Maß aller Dinge, wenn es um glaubwürdige Open World Welten ging. Das könnte sich nun ändern, da Mafia III in einigen Bereichen ordentlich nachlegt. Die Grafik ist spektakulär und setzt das Abenteuer regelmäßig atemberaubend schön in Szene. Spielerisch hat man sich vom großen Vorbild zwar einiges abgeschaut, das Ganze jedoch gut angepasst und stellenweise verbessert. So gibt euch das Spiel fast immer die Möglichkeit, alternativ auch leise und „sauber“ vorzugehen.

Das Setting ist ebenfalls besonders: 1960er Jahre, Südstaaten, Rassenhass, organisiertes Verbrechen, schwarzer Protagonist – eine explosive Mischung. Durch die audivisuell sehr hochwertige Präsentation und der stimmungsvollen Atmosphäre ist Mafia III die vielleicht beste Abbildung einer glaubwürdigen, offenen Welt gelungen, die es in diesem Genre gibt.

Können meine Kinder damit spielen?

Lieber nicht. Der Titel ist ab 18 Jahren freigegeben, also nur etwas für Erwachsene.

Womit überrascht Mafia III?

Das Spiel verblüfft durch seine bemerkenswert spannende Geschichte und einen vielschichtigen Antihelden, mit griffigem, sehr harten Gameplay, das sich zudem vielseitig präsentiert. Der Schauplatz ist ebenso stimmungsvoll wie die über 100 lizenzierten Tracks, die einem die zahlreichen Autofahrten jedes Mal aufs Neue versüßen.

Die Themen Diskriminierung, Rassenhass und Trauma durch Krieg wurden bereits in zahlreichen früheren Spielen behandelt. Dass sich jedoch so eine große Produktion wie Mafia III dieser Themen annimmt, ist dann aber doch erstaunlich.

Die ernste Hintergrundthematik ändert allerdings nichts daran, dass der Titel vor allem eines bietet: Viel Action, viel Spaß. Und was gibt es Schöneres, als den bösen Jungs mal so richtig in den Hintern zu treten?