Teezeit und versteckte Klingen – Assassin’s Creed Syndicate angespielt

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Teezeit und versteckte Klingen – Assassin’s Creed Syndicate angespielt

Mit Syndicate erfindet Ubisoft das Rad zur Reihe um die heldenhaften Meuchelmörder nicht neu, aber Mann - hat das Rad jetzt Dampf drauf!

Eines muss man Ubisoft lassen: Obwohl die Assassin’s Creed-Reihe zu einer quasi jährlichen Okkasion geworden ist, scheinen die Teams des Publishers – allen voran Montreal und Montpellier – noch keine kreative Schwäche zu zeigen, wenn es um das nächste Abenteuer der Meuchelmörder geht.

Zwar verändert sich das Grundprinzip auch dieses Mal nicht, aber wie immer schaffen es Entwickler nicht nur den Charme der gewählten Epoche wieder perfekt einzufangen, auch die neuen Spielelemente sorgen für genügend frischen Wind, dass man sich als Serienveteran auch dieses Mal wieder in den Kampf um die Geschichte begeben möchte. Well played, Ubisoft!

Genre:

Action/Stealth-Adventure

Systeme:

PS4

Wer hat’s gemacht?

Auch für diesen Teil der Serie wurde nicht nur ein Studio von Ubisoft zur Entwicklung eingespannt, sondern viele um den Globus verteilte Standorte trugen zur Fertigstellung des Titels bei, darunter: Quebec, Montreal, Montpellier, Singapur, Shanghai, Chengdu, Kiev, Reflections (Newcastle) und Annecy.

 

Worum geht’s?

In Assassin’s Creed Syndicate dreht sich dieses Mal alles um das viktorianische London, das unter den Geburtswehen der Moderne zu leiden hat. Obwohl das Leiden eher von den dort arbeitenden Menschen übernommen wird, die zu dieser Zeit unter katastrophalen Bedingungen mit ihrem Schweiß und Blut für die wirtschaftliche Stärke des Empires bezahlten.

Soweit die wahre Geschichte und wie es oft der Fall ist, wenn es um die Unterdrückung der Massen geht, scheinen in der romantischen Vorstellung von Syndicate die Templer etwas mit der Sache zu tun zu haben. Deshalb begeben sich die Assassinenzwillinge Evie und Jacob Frye – gegen den Willen der Assassinen Bruderschaft – auch in diese Hochburg ihrer geschworenen Feinde und starten einen Befreiungskrieg, der nicht nur ein Reich, sondern die ganze Welt beeinflussen sollte.

Wie spielt es sich?

Während AC IV: Black Flag bereits die ersten Grundsteine für eine Evolution der Serie legte, kam der „große“ Umbruch erst mit AC Unity und dem Sprung auf die Next Gen. So haben sich die Entwickler erneut dem dynamischen und gut funktionierenden Bewegungssystem von Unity bedient, das euch nicht nur im 1868 London gute Dienste leistet, sondern auch wieder was für die Augen bietet.
 
Wie schon bei den Vorgängern werden auch bei Syndicate die Bewegungen immer detailgetreuer und erinnern schon fast an echte Parkour-Läufer, wenn Jacob oder Evie während einem Sprung über die Häuserdächer die Beine anwinkeln und das Kreuz durchstrecken, um nach der Landung blitzschnell an der Hauswand hinabzuklettern. Sich durch urbanes Gebiet zu begeben hat selten so viel Spaß gemacht wie in Syndicate.
 
Nicht zuletzt trägt die Ankunft der Serie in der Moderne dazu bei, denn als neues Spielzeug in eurem Arsenal gibt es nun einen Leinenwerfer, der euch nicht nur viel schneller vertikale Flächen erklimmen lässt, sondern ähnlich wie in Batman für neue taktische Möglichkeiten beim Ausschalten eurer Gegner eröffnet.
 
Neue Möglichkeiten bietet auch das frische Stealth-Konzept, das zu Beginn zwar etwas gewöhnungsbedürftig wirkt, aber einem mit der Zeit gute Dienste leistet. Ihr könnt nun gezielt in einen Schleichmodus wechseln, der es Gegnern schwerer macht, euch zu entdecken, sollten einmal keine NPC-Gruppen in der Nähe sein, die euch in der Menge untertauchen lassen. Ebenfalls ein nettes Detail: Seid ihr in besagtem Schleichmodus, schaltet ihr eure Gegner mit anderen Animationen aus, da ihr mit deutlich gebückter Körperhaltung unterwegs seid.
 
In Sachen Stealth ist übrigens Evie die Begabtere unter den Zwillingen, was sich auch in ihrem Fähigkeitenbaum widerspiegelt, der etwas von ihrem Bruder abweicht. Jacob ist dafür eine etwas robustere Natur, was sich sehr bezahlt macht, wenn ihr euch z.B. mit einer anderen Gang um die Kontrolle eines bestimmten Reviers prügelt oder ihr euch in den blutigen Boxringen Londons ein kleines Zubrot verdienen wollt.
 
Ein weiterer Faktor, der Syndicate zu einem persönlichen Highlight für mich macht, sind die neuen Missionen, die ihr neben der Hauptstory annehmen könnt, um Erfahrung, Geld und Ausrüstung zu erlangen. Besagte Aufgaben sind oft an bestimmte Verbündete geknüpft, die, wenn ihr in ihrer Gunst aufsteigt, euch den Spielverlauf mit Geschenken deutlich einfacher Gestalten. So müsst ihr z.B. Kutschen mit wertvollen Ladungen stehlen und dann in einer halsbrecherischen Flucht durch das industrielle und stark bewohnte London mit eurer Beute entkommen.
 
Ebenfalls unterhaltsam gestalten sich Überfälle auf Schiffe, denn die Themse ist so stark befahren, dass ihr wild von einem Kutter zum nächsten Hüpfen könnt – perfekt also, um nach geglücktem Diebstahl oder der Sabotage einer Landung zu flüchten. Egal welchen Tätigkeiten ihr euch widmet, sie passen perfekt in den Kontext der Zeit und wirken weit weniger „erzwungen“ als noch in vergangen Titeln.
 

Quickie oder Langzeitbeziehung?

Wer nur der Hauptgeschichte folgt bzw. sich mit einem Griff in die Geldtasche die eigentlich benötigte Zeit etwas verkürzt, wird es in moderater Zeit durch das Spiel schaffen. Damit verpasst man jedoch auch all die tollen Charaktere, die ihr in den Nebenmissionen trefft und ihr bringt euch um viele rasante Verfolgungsjagden und andere spannenden Tätigkeiten in der Londoner Unterwelt.

Gefällt euch, wenn ihr…

…auf eine tolle Spielwelt und Verschwörungsgeschichten steht.

Ideal, um…

…das viktorianische London zu erkunden und den inneren Gangster-Boss rauszulassen.

 

Besonderheiten:

Wo soll man hier beginnen? Die vermutlich hervorstechendste Besonderheit ist sicher Ubisoft Quebecs Liebe zum Detail, wenn es um die Präsentation vieler Aspekte des Titels geht. Der größte Star neben den Zwillingen ist definitiv London. Die unebenen Kopfsteinstraßen, auf denen die Pfützen im nächtlichen Lampenschein schimmern, tragen genauso dazu bei, die perfekte Stimmung zu erzeugen, wie die überfüllten Transportwege, die Rauch speienden Schornsteine und die Klänge des meist subtil ausfallenden Soundtracks, der es nicht selten schafft, einen mitten in eine Geschichte à la Dickens zu verfrachten. Das sich Ubisoft bei der Architektur penibel an historisch belegte Vorlagen hält, macht einen Spaziergang durch das virtuelle London um so spannender.
 
Vielleicht sind es aber auch all die digitalen Menschen in diesem London, die mit zeitgenössischer Mode perfekt ins Bild passen, während man sich mit Evie oder Jacob – deren Assassinentracht sich nahtlos ins Gesamtkunstwerk einfügt – durch die Menschenmenge bewegt. Die über 10.000 Stunden Arbeitsaufwand der Designer, um die über 100 Kostüme zu entwerfen, hat sich definitiv ausgezahlt.
 

 

Können meine Kinder damit spielen?

Ob der recht rauen Prämisse des Titels gibt es sicher geeignetere Kandidaten für die jüngsten Spieler unter uns. Transformers Devastation verfrachtet einen ebenfalls in die „gute, alte Zeit“. 😉
 

Womit überrascht Assassin’s Creed Syndicate?

Zum einen darf sich mit Evie Frye endlich mal ein weiblicher Hauptcharakter in einem Major Release der AC-Serie behaupten und auch der Rest der weiblichen Bürger wird der Zeit entsprechend korrekt in Szene gesetzt. Vom „schwachen Geschlecht“ ist hier keine Spur zu sehen. Ebenfalls gut in Szene gesetzt sind die beiden Geschwister, die in den Dialogen so authentisch rüberkommen, dass man meinen könnte, die Zeilen wurden aus dem echten Leben gegriffen. Besonders die verbalen Sticheleien entlocken einem schon mal ein Schmunzeln.
 
Abschließend kann ich nur empfehlen, das Spiel auf Englisch (mit dt. Untertiteln wenn notwendig) zu spielen, denn es wurde viel Aufwand betrieben, die einzelnen britischen Akzente – passen zum sozialen Umfeld der Londoner Bezirke – in Syndicate zu integrieren. Wer möchte die Mitglieder seiner Bande nicht in einem schweren Cockney-Akzent scherzen hören, während ihr in eurem Hauptquartier – das diesmal ein durch London fahrender Zug ist! – die Aussicht genießt?
 
Auch der Wolf von Inside PlayStation hat sich in die Zeitmaschine gesetzt und ist für euch mit Evie und Jacob durch die Straßen des viktorianischen Londons gezogen, um sich von Assassin’s Creed Syndicate ein Bild zu machen.

Mehr Action auf der PS4

Wer den Sprung auf die nächste Konsolengeneration noch nicht gewagt hat, kann sich nun bei Evie und Jacob ein Beispiel nehmen. Denn neben einem schicken PS4 Bundle inkl. Assassin’s Creed Syndicate und Watch_Dogs: Definitive Edition erhält die PlayStation Nation ein cooles Missionspaket, das euch auf die Spuren der grausamen Groschenroman-Verbrechen führt. Mehr Informationen zum Bundle und dem Missionspaket findet ihr HIER.

Assassins Creed: Syndicate

Befreie die Vergangenheit – Rette die Zukunft

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Kommentare sind geschlossen.

1 Kommentar

  • Aber aber… man muss doch nicht immer gleich alles sofort ins Deutsche übersetzen.
    Teatime hätte es auch getan. 😉