Mittelerde: Mordors Schatten im Test

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Mittelerde: Mordors Schatten im Test

Als von den Toten wieder auferstandener Waldläufer begebt ihr euch auf Rachefeldzug gegen die Uruks.

Das ist kein guter Tag für den Waldläufer Talion, der mit seinen Brüdern und Schwestern das dunkle Tor zwischen Mordor und dem Rest von Mittelerde bewacht. Nach 2000 Jahren kehrt Sauron mit seiner Armee an Uruk-Hais, einer besonders mächtigen Brut von Orks, zurück und metzelt die Bewacher und ihre Familien gnadenlos nieder. Auch Talion fällt, wird aber auf geheimnisvolle Weise zurück in das Reich der Lebenden geholt und findet sich an den Geist des Elben Celebrimbor gebunden. Dieser verschafft dem kampferprobten Waldläufer zusätzlich übernatürliche Fähigkeiten und damit die Möglichkeit, Rache an den mörderischen Uruks zu nehmen.

Mittelerde: Mordors Schatten

Mittelerde: Mordors Schatten

Ein Waldläufer sieht rot: Klingt die Geschichte, die zeitlich in etwa zwischen den Ereignissen der Hobbit- und Herr der Ringe-Filme spielt, auf den ersten Blick nach 08/15-Rachestory, hat das Abenteuer deutlich mehr als Standard-Actionkost zu bieten. Ihr beginnt das Spiel zuerst mit dem Absolvieren erster Storymissionen, die euch einen Einblick in das frühere Leben Talions und Celembrimbors gewähren, und nicht nur Hardcore-Tolkien-Fans eine richtig spannende Geschichte bieten. Ihr bewegt euch auf der Suche nach Antworten durch Ruinen und Höhlen, schleicht euch an Feinde heran, um diese hinterrücks zu meucheln, erlegt mit eurem Bogen per Fernangriff Wachen oder springt todesmutig mitten in einen Trupp Uruks und zeigt was ihr mit dem Schwert so drauf habt.
Dabei sind die Anleihen an Assassin’s Creed bei den agilen Klettereinlagen und Schleichangriffen kaum zu übersehen. Ebenso profitiert das Kampfsystem von den Erfahrungen der letzten Batman-Spiele und mit dem richtigen Rhythmus beim Knöpfchendrücken entsteht der bekannte „Flow“, bei dem ihr auch ein halbes Dutzend Gegner eindrucksvoll ausschaltet. Nur das der „dunkle Ritter“ wohl nicht so häufig Köpfe vom Leib abtrennt, wie es Talion vorzugsweise in seinen Finishing-Moves macht. Zimperlich geht es in „Mordors Schatten“ wirklich nicht zu.

Mittelerde: Mordors Schatten

Ausgerüstet seid ihr mit Schwert, Dolch und Bogen. Eine Kombination die sich im Verlauf der Reise kaum verändert, denn nicht unzählige Ausrüstungsgegenstände sind der Lohn eurer Mühen, sondern ein weitverzweigter „Skill-Tree“. Eure beim Levelaufstieg erworbenen Punkte nutzt ihr für verbesserte Angriffe eurer Waffen und Waldläufer-Fertigkeiten, sowie die ungemein nützlichen Geisterfähigkeiten Celebrimbors. So könnt ihr mit dem Abschießen eines Pfeils nicht nur einen Gegner ausschalten, sondern auch gleich an den Einschlagpunkt teleportieren und so große Entfernungen überbrücken, euch durch die Geisterwelt unbemerkt an Ziele heranschleichen oder im Fokus-Modus die Zeit verlangsamen.

Mittelerde: Mordors Schatten

Die lebendige Welt der Uruks

Die Uruks sind keineswegs namenloses Kanonenfutter und billige Opfer für eure Rachegelüste, sondern leben in einem sich stetig verändernden sozialen Gefüge und besitzen eine eigene Persönlichkeit.

Schon nach kurzer Zeit könnt ihr vollständig in die riesige offene Spielwelt von Mordor eintauchen und euch mit dem Suchtpotential des „Nemesis-Systems“ vertraut machen. Denn die Uruks sind keineswegs namenloses Kanonenfutter und billige Opfer für eure Rachegelüste, sondern leben in einem sich stetig verändernden sozialen Gefüge und besitzen eine eigene Persönlichkeit. So findet ihr in jedem neu entdeckten Gebiet einen „Warchief“, der mit seinen Offizieren den ansässigen Clan anführt. Das Ziel: Den Chef ausschalten oder unter eure Kontrolle bringen. Klingt nach rollenspieltypischem, auf die Dauer abwechslungsfreiem Grinden, ist aber ein absolutes spielerisches Highlight. Denn viele der Uruks verfügen nicht nur über einen Namen, sondern auch einen beeindruckend ausgefeilten Charakter und ein ausgezeichnetes Erinnerungsvermögen. Sterbt ihr bei einem Kampf – und das werdet ihr garantiert mehr als nur einmal – wird nicht einfach die Zeit zurückgedreht. Ihr steht wieder von den Toten auf, aber der Sieg des Uruks über euren Helden ist nicht vergessen. Dieser bekommt Ruhm und Ehre als Waldläufer-Killer in seinem Clan und steigt in der Rangordnung auf. Ein weiteres Beispiel: Lauft ihr bei einem Kampf vor einem Uruk davon, wird er euch bei jeder weiteren Begegnung einen Feigling schimpfen. Die Spielintelligenz ist wirklich beeindruckend und gibt der offenen Spielwelt eine bislang ungeahnte Dynamik.

Mittelerde: Mordors SchattenMittelerde: Mordors Schatten

Aber den einen oder anderen Rückschlag solltet ihr einfach Nutzen, um eure Fähigkeiten zu verbessern, damit doch noch euer Racheplan greift. Dazu könnt ihr zu richtig perfiden Mitteln greifen: Besiegt ihr einen Uruk-Captain, habt ihr die Wahl diesen zu töten oder zu brandmarken. Tötet ihr ihn, erhaltet ihr ein Waffen-Upgrade oder ein anderes Goodie, aber mit der Brandmarkung ist dieser ab sofort euer Untertan. Das erlaubt ausgefeilte Pläne, bei denen ihr die Offiziere eines mächtigen Bosses unter eure Kontrolle bringt und bei der finalen Konfrontation für euch angreifen lasst. Oder noch gemeiner: Lasst den Gebrandmarkten einfach den Boss hinterrücks erlegen und selbst an die Stelle des Clanchefs treten.

Fazit

Eine spannende Geschichte, die Tolkien-Kennern reichlich Aha-Momente beschert, aber auch bei nicht fantasyaffinen Spielern keine Langeweile aufkommen lässt. Das gut abgekupferte Kampfsystem der Batman-Serie sowie die agile Steuerung von Assassin’s Creed: Das spielerische Grundgerüst ist stimmig. Aber die bislang unerreichte offene Spielwelt, die mit ihren sozial strukturierten Uruk-Clans eigene Geschichten erzählt und auch ohne die Einmischung des Spielers stetigen Veränderungen unterzogen ist, macht aus dem Herr der Ringe-Actioner erst ein herausragendes Abenteuer.

Mittelerde: Mordors Schatten ist ab dem 2. Oktober für PlayStation 4 und ab dem 20. November für PlayStation 3 erhältlich.

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