Preview: Silent Hill: Downpour

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Man kann es drehen und Wenden wie man will, aber bis heute ist Silent Hill 2 ein Meilenstein in Sachen Storytelling in Videospielen und nicht nur das ursprüngliche Team Silent haben sich seitdem die Zähne daran ausgebissen, das Spiel in dieser Hinsicht zu übertreffen. Sei dies die totale Isolation, die bedrückende Atmosphäre oder der meisterhaft komponierte Soundtrack von Akira Yamaoka, das mittlerweile über ein Jahrzehnt alte Spiel ist bis heute Relevant und nicht nur für Genre-Fans eine essenzielle Erfahrung.

Nach Silent Hill 4: The Room, versuchten sich schon viele Entwickler daran, an die hohe Messlate, welche von dem legendären Team Silent vorgelegt wurde, zu erreichen. Nun versucht sich die Brünner Softwareschmiede Vatra daran – übrigens das erste europäische Studio, welches die Ehre hat, ein Silent Hill zu entwickeln.

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Wir hatten nun die Gelegenheit, die ersten paar Stunden von Silent Hill: Downpour zu spielen und möchten euch von unserer Erfahrung erzählen – und das so frei von Spoilern wie nur irgendwie möglich.

Wie viele von euch wissen, ist Downpour der bisher erste Teil der Serie an dem Akira Yamaoka nicht mitwirkt. Der Komponist , der seit Silent Hill für die erste PlayStation mit an Bord ist, ist in den späteren Teilen der Serie vom Komponisten zum Producer aufgestiegen und war Dreh- und Angelpunkt für jeden Teil von Silent Hill. Jetzt arbeitet er bei Grasshopper Manufacture und seine markanten Kompisitionen sind weiterhin auf der PlayStation 3 zu hören, zum Beispiel in Shadows of the Damned.

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In seine Fußstapfen tritt Daniel Licht, der schon für die musikalische Untermalung von so illustren Fernsehserien von Dexter sorgte, und siehe da, er macht sich fantastisch: Gleich zu Beginn fällt die Musik positiv auf. Auch wenn es in vielen Momenten „nur“ klingt, als würde Yamaoka versuchen, Dexter einen neuen Soundtrack zu verpassen, ist das vielleicht genau der frische Wind, den es gebraucht hat, um endlich von den ewigen Vergleichen zu Silent Hill 2 weg zu kommen und dem Spiel eine eigene Note zu geben, die zwar distinktiv an Silent Hill erinnert, jedoch sich endlich traut, eigene Akzente zu setzen.

Der Spieler übernimmt die Rolle eines gewissen Herrn Murphy Pendleton, der sich nach einem längeren Aufenthalt im Gefängnis in Silent Hill wiederfindet und alles daran setzen muss, dort zu entkommen. Schon im ersten Moment als man die Gelegenheit hat, die Kontrolle über Murphy zu übernehmen, fällt auf, dass hier mächtig in die Next-Gen Trickkiste gegriffen wurde und der Protagonist sich endlich vernünftig steuern lässt. Wer schon einmal einen Unreal Engine basierenden Third-Person-Shooter gespielt hat, kann sich ziemlich genau vorstellen, was ihn da erwartet, und auch wenn Murphy mit Waffen nur etwas unbeholfen umgeht, geht dies nicht zu Lasten des Gameplay, sondern wurde durch clevere Mechaniken in das Spiel direkt integriert und dient nicht mehr als Ausrede dafür, die Steuerung nicht gebacken zu bekommen.

Auch die Stadt selbst und die Locations wissen zu gefallen. Wie immer hat sich ein dichter Nebel über Silent Hill ausgebreitet, der es einem kaum erlaubt, mehr als 10-20 Meter in die Weite zu sehen. Man orientiert sich also an Straßenschildern oder Spuren im Boden um irgend jemanden zu finden, der einem erzählen kann, was hier passiert ist oder wie man am besten hier verschwindet – natürlich vergebens. Die Stadt ist verlassen wie eh und je und selbst die Charaktere, die man trifft, kann man bestenfalls als gestört und keineswegs glaubwürdig einstufen.

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Durch die dicken Nebelschwaden und die konstante Isolation wirkt das Spiel sehr bedrückend und artet in manchen Momenten, besonders wenn man die von Wasser dominierte, alternative Version von Silent Hill unfreiwillig betritt, sogar in pure Hysterie aus, bei der eure Hände den DualShock 3 Controller so fest halten werden, wie noch nie.

Technisch ist das Spiel, welches auf der Unreal Engine 3 basiert, durchaus kompetent, und in einigen Momenten merkt man deutlich, dass sich die Entwickler ins Zeug gelegt haben, die Stadt so realitätsgetreu umzusetzen, wie nur igend möglich, was dessen deprimierenden Effekt zusätzlich verstärkt.

Somit ist der Grundstein für eine befriedigende Silent Hill-Experience allemal gelegt: Die Grafik und die Atmosphäre sind stimming und bedrückend, der Hauptcharakter interessant und die Musik untermalt das ganze gekonnt, ohne zu sehr, aber doch genug nach Akira Yamaoka oder Dexter zu klingen.

Ob Downpour wirklich das Zeug dazu hat, dem Genre-Primus den Rang abzulaufen, wird sich erst zeigen, wenn wir die Story in vollen Zügen geniessen konnten – und ob es wieder ein Dog Ending gibt.