Interview: Hitman: Absolution und die Passion seiner Fans

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„640509, das ist sein Geburtsdatum. 040147 kennzeichnet ihn dann als Agent 47. Das ist der richtige Barcode!“ Wir befinden uns in einem edlen Londoner Hotel, IO Interactive hatte eingeladen. Hitman: Absolution befindet sich im Moment zwar noch in der Pre-Alpha-Phase, trotzdem brannten die Entwickler darauf, uns schon jetzt zu zeigen, was sie sich seit spätestens April 2009 in ihrem Studio zusammengebastelt haben (Den Bericht von der Präsentation des Spiels findet ihr hier).

Vor uns sitzt Tore Blystad, Game Director des Titels, und gerade hat er uns erklärt, welcher Strichcode sich auf dem Hinterkopf des Spiel-Protagonisten befindet, und welche nur zu Promotionszwecken auf den für solche Events obligatorischen Give-Aways prangern. Wir lachen ein bisschen mit ihm, aber es schien unserem Gesprächspartner auch nicht ganz unwichtig zu sein, uns demonstriert zu haben, wie gut er sich mit der Figur und der Serie auskennt.

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Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein, doch wir Gamer sind ein sehr passioniertes Publikum. Eine Serie wie Hitman gehört so elementar zu unserer Kultur und Geschichte, dass wir jeden neuen Teil mit Argusaugen bewachen und uns Sorgen, dass die glorreiche Franchise mit einem Schandfleck beschmiert werden könnte. Die Entwickler haben es in solchen Situationen nicht leicht. Meist kriegen Sie nur einen kritischen, zurückhaltenden Vertrauensvorschuss und müssen sich die Begeisterung und die Liebe der Fans mit nichts geringerem als einem Meisterwerk erarbeiten.

Genau deswegen sträubt Tore sich auch, als wir ihn fragen, ob das Spiel die Serie für ein breiteres Publikum öffnen soll. Er weiß, dass die große Fanbase der Serie vor allen Dingen von einer Sorge geplagt wird: Nicht noch so ein Nachfolger in einer einstmals großen Franchise, der an den marktüberlaufenden Shooterbrei angepasst wurde und sein brilliantes Gameplay sowie das einzigartige Spielgefühl damit zermatscht.

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Der Zwiespalt vor dem die Entwickler stehen ist eindeutig: Eine so große Produktion wie Hitman: Absolution kann es sich nicht erlauben, nicht auch den Mainstream anzupeilen. Nicht bei einer so kompetitiven Marktlage, wie sie in der Videospiel-Industrie schon seit vielen Jahren herrscht. IOs Lösungsansatz für dieses Dilemma heißt Replaybility, der „Wiederspielwert“.

Was wir schon in der Präsentation eindrucksvoll (der Effekt war ungefähr der gleiche, wie bei der ganz ähnlichen Präsentation von Deus Ex: Human Revolution) demonstriert bekommen haben, wird jetzt auch von Tore noch einmal ausführlich erklärt. Das Gameplay habe nichts an seiner Klasse eingebüßt. Die Fans der Serie würden noch subtiler und verschwurbelter als bisher durch die Level schleichen und dabei kunstvolle stille Morde begehen können. Gleichzeitig beweise 47 jetzt aber auch endlich, dass er immer einen Plan B für das offene Gefecht besitzt. Wem die Schleicherei zu sehr an den Nerven zehrt, der zieht seine Waffe, springt in Deckung und stellt sich der offenen Schlacht.

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„Die Hardcore-Fans“, ist sich Tore sicher, „werden nicht aufgeben, bis sie den höchsten Rang in allen Spielvarianten erreicht haben.“ Während er sowas sagt, oder auch wenn er uns beteuert, dass „zum Glück niemand bei uns je auf die Idee kam, das Spiel so gewaltfrei zu gestalten, dass wir auch für minderjährige Spieler in Frage kommen können“, dann wirkt er ein wenig so, als wolle er IO’s Entscheidung zum Ausbau des Shooter-Gameplays verteidigen.

Eigentlich hätte er das nicht nötig. Die Rechnung der Entwickler geht auf: Das Serie hat nichts vom Reiz alter Tage verloren. Es wurden jetzt schon genug Level im Spiel gezeigt, die zu stundenlangem Experimentieren mit allen Objekten auf der Map einladen. Wenn man darauf aber keine Lust hat, bietet Hitman: Absolution jetzt auch noch einen für die Serie in dieser Qualität völlig neuartigen Shooter. 47 ist endlich auch im Kugelhagel eine echte Killermaschine mit militärischer Präzision. So hat das Spiel nichts verloren, sondern nur eine weitere sehr unterhaltsame Variante hinzugewonnen.

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Als wir Tore später doch noch ein paar Worte zur Story abringen können, bringt er die neue Klasse des Spiels selbst auf den Punkt: „Die Story wird sich von den Vorgängern insofern etwas abheben, als das 47 bisher immer als Marionette für andere Mächte fungierte. Jetzt aber nimmt er sein Schicksal selbst in die Hand, trifft viel mehr eigene Entscheidungen. Genauso wird es den Fans der Serie auch gehen“.

Worüber er mit uns leider nicht sprechen will, ist ein etwaiger Multiplayer und seine Form sowie die mysteriöse Beziehung von Viktoria und Diana, die seit den ersten Story-Trailern die Spekulationen vieler Fans beschäftigen. Wir finden das gut. Hitman: Absolution ist ein Titel, auf den wir uns seit der Präsentation sehr freuen. Ist doch schön, die Vorfreude mit ein paar Geheimnissen zu versüßen.

Übrigens: Eine Frage, die von euch eingeschickt wurde, fanden wir so fantastisch, dass wir sogar um eine Verlängerung unseres Interview-Slots gekämpft hätten um sie noch unterzubringen: Ob die eigens für das Spiel entwickelte Engine auch in der Lage wäre, die Umgebung auf 47’s polierter Glatze spiegeln zu lassen. Tore muss laut lachen und leider verneinen. Wir sind schon ein sehr passioniertes Publikum, wir Gamer.. 🙂