Interview mit einem Finalisten der GT Academy 2010

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Es ist soweit: Die erste Phase der GT Academy ist seit wenigen Stunden vorbei! Das Zeitfahren ist zu Ende und inzwischen stehen die Teilnehmer für die großen regionalen Finals fest. Während wir euch die hoffnungsvollen Talente später noch genauer vorstellen werden, wollen wir uns jetzt mit einem Talent beschäftigen, das leider nicht mehr teilnehmen darf, der das nun folgende Prozedere aber ganz genau kennt: Christian ist bei der vergangenen GT Academy über das nationale Finale hinaus bis nach Silverstone gekommen.

Wir haben uns mit dem Renfahr-Liebhaber unterhalten und bekamen einen tiefen Einblick in das Seelenleben der GT-Academy-Finalisten. Viel Spaß!

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PlayStation.Blog: Hi Christian! Du hast eine große Rolle in der GT Academy des vergangenen Jahres gespielt. Kannst du uns deinen Weg aus dem vergangenen Turnier bis nach Silverstone ein wenig nachzeichnen?

Der TimeTrail zur GT-Academy 2010 war für mich der erste Auftritt auf der internationalen GT-Bühne. Bis dahin bin über den GranTurismoRacingPoint nur gegen nationale, bzw. deutschsprachige Konkurrenz gefahren. Ende 2007 bin ich dort noch mit GT4 eingestiegen und musste mich erstmal mühsam an den Speed, den die Fahrer dort gehen, heranarbeiten. Nach etwa 6 Monaten hatte ich mich dem Niveau dort dann angepasst und unter den Mitgliedern etabliert.

Gran Turismo spiele ich bereits seit dem ersten Teil regelmäßig, aber seit meinem Einstieg ins Forum wirklich intensiv. Auch wenn das Online-Racing erst mit GT5 Proloque Einzug erhalten hat, machte es schon bei GT4 einfach mehr Spaß, wenn man sich mit anderen Verrückten gegenseitig zu neuen Bestzeiten pushen konnte. Außerdem hat es einen enormen Lerneffekt, wenn man mit anderen Spielern Replays tauschen kann, um sich gegenseitig Ideallinien und Fahrtechniken abzuschauen.

Im Sommer 2008 habe ich mir dann die PS3 zugelegt. Im damals zugänglichen Academy TimeTrail, der zu dem Zeitpunkt kurz vor dem Ende war, konnte ich mich aber nicht mehr in die Bestenlisten fahren. Dafür war die Zeit zu knapp und die Umstellung von der GT4-Fahrphysik auf GT5P zu groß.

2009 habe ich mir die Academy-Demo dann aber sofort heruntergeladen und vom ersten bis zum letzten Tag mehr oder weniger meine gesamte Freizeit investiert, um mich für das nationale Finale 2010 zu qualifizieren. Bei den beiden Kombos die dort gefahren wurden sind insgesamt sicherlich über 1500 Runden zusammengekommen, die ich für meine Zeiten gefahren bin. Nebenbei musste natürlich auch noch irgendwann gearbeitet und die sozialen Kontakte gepflegt werden.

Sowie für das nationale Finale, als auch für das RaceCamp konnte ich dann mir glücklicherweise kurzfristig frei nehmen, was beinahe zum Stolperstein geworden wäre.

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Du gehörtest also zu den wenigen Auserwählten die es über die nationalen Finals hinaus bis ins Fahrercamp geschafft haben. Wie lief das Camp für dich ab? Hast du noch Kontakt zu den anderen Finalisten?

Für das Rennfahrertrainig in Silverstone hatte ich mir im Vorfeld keine allzu großen Chancen ausgemalt. Mein (Autofahrer-)Leben lang war ich ausschließlich mit mindestens 10 Jahre alten 75PS-Frontantriebs-Möhren unterwegs und auch eine Kartbahn habe ich erst 3 Wochen vor Silverstone zum ersten Mal besucht.
Dort sollte ich dann mit 330, respektive 480PS am Limit über die Rennstrecke ballern – HILFE!!! 😀

Die Organisation dort war aber klasse. Jeder von uns hatte immer einen Instructeur auf dem Beifahrersitz, der vor und während der Fahrt Tipps gegeben hat. Das Fahren auf der Rennstrecke ist mit dem auf öffentlichen Straßen auch nicht zu vergleichen. Die Strecke ist breit, es gibt Auslaufzonen (Haha, wer hätte das gedacht) und keinen Verkehr, auf den man achten muss. Auch wenn man keine Erfahrung mit solch leistungsstarken Wagen hat, fühlt man sich deshalb sicher und da hieß es dann von Beginn an „Pedal to the Metal“, Augen zu und ab durch die Mitte. Einfach eine unvergleichliche Erfahrung für jeden Motorsport-Fan.

Davon abgesehen war es toll Legenden wie Johnny Herbert, Eddy Jordan, Sabine Schmitz und Rob Barff persönlich kennenzulernen. Natürlich auch die GranTurismo-Idole wie Holl01 und Rootbe.

Der Zeitplan dort war überaus straff durchorganisiert und man hatte kaum Zeit zum Durchatmen. Schließlich wollte auch in nur 5 Tagen die Spreu vom Weizen getrennt werden.
Kontakt habe ich, zumindest sporadisch, noch zu vielen der Teilnehmer, sowohl des deutschen Finals, als auch des FahrerCamps.

Die meisten der Deutschland-/Österreich-/Schweiz-Finalisten sind auch im GTRP aktiv und dort schreibt man sich regelmäßig und fährt entweder online gegeneinander oder trifft sich 1 bis 2 Mal jährlich auf LAN-Partys. Dadurch sind in den letzten Jahren schon Freundschaften entstanden, für die ich sehr dankbar bin.

Von den Silverstone-Finalisten halte ich zu einigen wenigen über Facebook oder das Playsation-Network Kontakt.

Kannst du uns einen Eindruck von der Leistungsdichte vermitteln? Woran bist du letzlich gescheitert? Wie viel hat dir zu Jordan Tresson gefehlt?

Direkt in Silverstone hat man schon auf den ersten Kilometern gemerkt, wer von den Teilnehmern schonmal ein echtes, leistungsstarkes Auto/Kart (über die Rennstrecke) bewegt hat und wer nicht. Ich denke die Verteilung der 18 Teilnehmer war etwa 50:50 (erfahrene Fahrer vs. Playstation-Racer), wobei erstere natürlich große Vorteile hatten.

Die schnellsten der Academy-Teilnehmer waren sogar schneller, als ein Team aus professionellen Formel3000-Fahrern, die für die Jury als Referenz mitgefahren sind. Mir selbst haben dabei sage und schreibe 5 oder 6 Sekunden pro Runde gefehlt und ich habe noch nichtmal verstanden, woran das lag. Im 370Z / GT-R waren wir zwar alle etwas dichter zusammen, aber auch da war gegen die Erfahrerenen kein Blumentopf zu gewinnen.

Auch beim Driften habe ich, ohne diesbezügliche reale Erfahrung, gnadenlos „versagt.

So kam es dann, dass ich, zusammen mit 9 anderen Finalteilnehmern am 2. Abend, bei der ersten Juryentscheidung ausgeschieden bin.

Zum Thema Jordan Tresson: Der Typ ist einfach eine echte Maschine. Im Kart und in den Autos war er immer einer der Schnellsten und dazu kam, dass er physisch allen anderen meilenweit voraus war. Während einige sich nach einem strapaziösen Konditionstest buchstäblich vor Anstrengung übergeben haben, hat er noch fröhlich grinsend Handtücher an die Mitstreiter verteilt – einfach unglaublich und sehr fair. Dazu kam, dass er einfach ein junger, sympathischer Typ ist, der sich auch in den Interviews (von denen es viele gab) gut verkaufen konnte. Es reichte nicht einfach nur schnell zu sein und Jordan lieferte das beste Gesamtpaket.

Toll war, dass die Ausgeschiedenen nicht nur zu Zuschauern degradiert wurden, sondern weiter ihr eigenes Programm hatten und ganz ohne Druck an weiteren Fahrdisziplinen teilnehmen konnten.

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Die GT Academy behandelt den Übergang von virtueller Rennsimulation auf die reale Rennstrecke. Wie groß sind die Unterschiede denn noch? Welches Element des Rennsports kann einem kein Videospiel simulieren?

Was ein Rennspiel niemals simulieren kann sind natürlich die Fliehkräfte, die beim realen Fahren auftreten, sei es beim Beschleunigen, in Kurvenfahrten oder beim Bremsen, wodurch das Fahren im echten Auto nicht nur höchste Konzentration erfordert, sondern auch körperlich sehr anstrengend ist. Beim Zocken lernt man zwar wie sich Lastwechsel o.ä. auf das Fahrzeug auswirken, aber dies am eigenen Körper wirklich zu spüren ist etwas ganz anderes. Selbst pneumatisch gesteuerte Fahrsimulatoren vermitteln da nicht ansatzweise das Gefühl.

Außerdem ist man vor der Konsole visuell nur auf den Bildschirm fixiert und visiert die Kurvenscheitelpunkte sozusagen aus dem Augenwinkel an. Dass man dazu im echten Auto auch mal durchaus auch mal den Kopf drehen undaus dem Seitenfenster blicken kann/sollte, war eine riesen Umstellung.

Auch die Herangehensweise an eine schnelle Fahrt ist im echten Auto eine andere: Auf der Konsole tastet man sich gern mal „von oben“ an das Limit eines Wagens heran, d.h. man fährt lieber zu schnell, als zu langsam in eine Kurve und drückt bei einem Abflug einfach „Neustart“., zumindest wenn es ums Hotlapping geht. Schließlich besteht dadurch keine Gefahr.

Im echten Auto sollte man so etwas natürlich vermeiden 😉

Allein von der Fahrphysik wird den Spielern aber wirklich ein realistisches Fahrgefühl geboten, vor allem auf Komfort- oder Sport-Reifen. Viele meinen zwar z.B. die aktuelle Academy-Kombo sei viel zu rutschig und der Wagen zu instabil, vergessen dabei aber, dass erstens die Fliehkräfte nicht gespürt werden und dass das Auto sanft gefahren werden will. Wenn man den 370Z in der Realität nur mit Vollgas/Vollbremsung/vollem Lenkeinschlag bewegen würde, ist klar, dass er dabei instabil ist.

In Silverstone hatte ich die Möglichkeit, das Fahren auf der Rennstrecke abends mit dem Fahren der GT5-Demo zu vergleichen und müsste feststellen, dass es wirklich sehr exakt umgesetzt ist.