MUBIs Filmplakat des Monats

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Hallo an alle. Ich habe in den letzten Jahren die „Movie Poster of the Week“-Kolumne auf Mubi.com geschrieben, und ab heute werde ich hier einmal im Monat einen Beitrag veröffentlichen. Es wird in den Beiträgen um die besten Filmplakate von heute und Design-Klassiker oder andere interessante Informationen aus der Welt der Filmplakate gehen.

Ironischerweise geht es diesen Monat mehr um Kommerz als um Kunst, aber ich hätte mir diese Story nicht ausgesucht, wenn das entsprechende Plakat nicht so aufsehenerregend gewesen wäre. Falls es euch interessiert, könnt ihr ja meine älteren Einträge hier lesen. Aber jetzt geht’s los!

FILMPLAKAT DES MONATS: „FRANKENSTEINS BRAUT“

frankenstein

Vor einigen Wochen gab es sehr viel Aufregung, weil dieses seltene Teaser-Plakat (das einzige, das noch zu existieren scheint) zu „Frankensteins Braut“ aus dem Jahr 1935 kurz davor stand, den Weltrekord für den Verkauf eines Filmplakats zu knacken. Der seit 2005 bestehende Rekord wurde durch den Verkauf von einem der vier bekannten Kopien des deutschen Plakats für „Metropolis“ aus dem Jahr 1927 aufgestellt. Es wurde in der Reel Poster Gallery in London für 690.000 $ verkauft. Zuvor war 8 Jahre lang ein Plakat für „Die Mumie“ von 1932 Rekordhalter, das bei einer Auktion bei Sotheby’s in New York 453.500 $ erzielte. (Nur zur Info: Den dritten Platz der teuersten Plakate aller Zeiten belegt auch „Metropolis“). Der erhoffte Verkaufspreis für das Braut-Plakat bei Heritage Auctions in Beverly Hills (Heritage, mit Hauptsitz in Dallas, wickelt über 70 Prozent aller weltweiten Filmplakat-Auktionsverkäufe ab) lag bei 700.000 $. Der Mindestpreis wurde jedoch nicht erreicht und so wurde das Plakat auch nicht verkauft.

american werewolf

Von den 10 kommerziell erfolgreichsten Filmplakaten aller Zeiten entstammen sieben dem Horror-Genre („Filmplakate der frühen Universal-Horrorfilme sind die Bluechips der Hobbysammler“, sagt Grey Smith von Heritage Auctions), und beinahe alle sind für Monsterfilme gemacht worden, wenn man den Science-Fiction-Film „Metropolis“ als eine Art Monsterfilm ansieht. Die einzige Ausnahme bildet das Plakat zu dem Musical „Flying Down to Rio“ aus dem Jahr 1933, das 2008 für 239.000 $ verkauft wurde. Bemerkenswert ist, dass alle zehn Plakate für Filme aus den Jahren 1925 bis 1935 entstanden sind. (Hier könnt ihr eine Bilderserie der Top-25 sehen.)

top ten

Letztendlich wurde der höchste Preis in der Auktion der letzten Woche für einen Halbbogen (56 x 71 cm) des eher unbekannten Films „Der Werwolf von London“ erzielt („einer der ersten Horrorklassiker von Universal“ und „der erste [Film], der sich mit der Angst vor Lykanthropie auseinandersetzt“). Auf dem Plakat wurden „hysterische Frauen“ gewarnt und es verkaufte es sich für 47.800 $. Das reicht zwar nicht annähernd an die Dreiviertelmillion heran, die man sich von „Frankensteins Braut“ erhoffte, aber trotzdem geht es hier wahrlich nicht um Kleingeld. Als Beweis dafür, dass es in der Welt der Filmplakat-Sammler nicht auf die Größe ankommt, reichten die Maße der Top-10-Verkäufe der Auktion in der vorigen Woche von 2,70 m bei einem riesigen österreichischen Plakat zu „King Kong“ bis zu gerade mal 36 cm bei einem „Fensterkartenwinzling“ für Boris Karloff in „The Walking Dead“. Bei den anderen handelte es sich um ein großes, italienisches 4-Foglio (140 x 198 cm) für „Das süße Leben“, One-Sheets (69 x 104 cm) für „Goldenes Gift“, „Casablanca“, „Superman“ von 1948, „Früchte des Zorns“, Dodsworth und Bette Davis‘ Film „Spätere Heirat ausgeschlossen“ aus der Zeit vor der Zensierung sowie eine 36 x 91 cm große Beilage für „Ocean’s Eleven“. All diese Plakate haben jeweils einen Gewinn zwischen 10.755 $ und 38.837 $ erzielt.

auction deals

Da stellt sich einem doch die Frage, wer sich heutzutage so teure Plakate leisten kann (wobei sich unter den aktivsten Bietern Hollywoodstars befunden haben sollen). Eine Auktion bei Heritage Anfang dieses Jahres lockte mit „Ausgewählten Objekten aus der Sammlung des berühmten Metallica-Gitarristen Kirk Hammett“.
Obwohl die Preise für die meisten Hollywoodklassiker in die Tausende gehen, gab es bei der letzten Auktion auch einige Schnäppchen. Zu meinen Favoriten zählen ein wunderschöner Siebdruck von Saul Bass für „So gute Freunde“ und ein atemberaubendes, polnisches Plakat für „Kaltblütig“. Diese wurden für weniger als 200 $ pro Stück verkauft.

Bilder freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Heritage Auctions.