Die besten Filme des Jahres … 2011?

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Willkommen beim ersten monatlichen MUBI-Überblick über die wissenswerten Neuigkeiten aus der Welt des Films. Es ist November, und das bedeutet, dass Kritiker und Fans bereits an ihren Listen mit den ihrer Meinung nach besten Filmen des Jahres basteln. Das ist eine schwierige Aufgabe – so schwierig, dass Matt Singer vom IFC seinen fast dreitausend Followern vor Kurzem ein kleines Quiz getwittert hat: „Vervollständige diesen Satz: ‚Der Film, den man gesehen haben muss, bevor man seine Liste der besten Filme 2010 zusammenstellt, heißt ____________.'“ Aus der Flut von Antworten hat er eine Liste von 59 Filmen erstellt, eine Art durch breite Meinungsumfrage recherchierte grobe Zusammenstellung der Filmhöhepunkte von 2010.

Das Witzige daran ist, dass genau der Film nicht auf der Liste steht, der bei MUBI für die über lange Zeit hitzigsten Diskussionen unter den wohlgemerkt Hunderttausenden von leidenschaftlichen Kinofans gesorgt hat, die sich hier tummeln. Ob Tony Scotts Film Unstoppable – Außer Kontrolle nun in einem Monat, einem Jahr oder einem Jahrzehnt als einer der besten Filme des Jahres gelten wird oder nicht, seine Brisanz, wenn es um das Auslösen von Diskussionen geht, ist unbestreitbar. Seht euch hier, hier und vor allem hier die unterschiedlichen Meinungen an.

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Statt allerdings in Nostalgie zu schwelgen (dazu wird es nächsten Monat schließlich noch genug Gelegenheit geben, wenn es mit den Preisverleihungen so langsam ernst wird), werfen wir doch lieber schon mal einen Blick darauf, was uns 2011 erwartet. Der britische Autor Tom Shone hat schon einen groben Plan für uns aufgestellt, also dachte ich mir, dass ich – ja, genau – eine Liste mit den womöglich besten Filmen des nächsten Jahres anfertige. Oder zumindest mit den Interessantesten, dem Aufruhr und dem Getuschel nach zu schließen, das sie jetzt schon auslösen. Hier kommen sie nun, in etwa sortiert nach den mit am meisten Spannung Erwarteten …

  1. The Tree of Life. Jeder einzelne von Terrence Malicks Filmen (Badlands, Tage des Himmels, Der schmale Grat, The New World) ist früher oder später in die Ruhmeshalle des Films eingegangen. In diesem werden die Hauptrollen von Brad Pitt, Sean Penn und Fiona Shaw gespielt und er verbindet irgendwie die Geschichte einer Familie in einer Kleinstadt im Amerika der 50er-Jahre mit, tja, wie Pitt es in einem Interview so schön formuliert hat „einer winzig kleinen Mikrogeschichte des Kosmos, vom Beginn des Kosmos bis zu seinem Ende.“ Okay. Ganz entgegen seinem normalen Tempo (d. h. ungefähr ein Film pro Jahrzehnt) hat Malick bereits mit der Arbeit an seinem nächsten Projekt begonnen, das eventuell The Burial heißen wird und bei dem auf jeden Fall Ben Affleck, Rachel Weisz, Javier Bardem, Olga Kurylenko und Barry Pepper mitspielen werden.
  2. melies

  3. Die Entdeckung des Hugo Cabret. Martin Scorsese adaptiert Brian Selznicks überaus erfolgreichen historischen Roman über einen Jungen, der Freundschaft mit dem magischen Kinopionier George Méliès (Schöpfer des berühmten Bilds oben) schließt. Der Regisseur wagt sich damit zum ersten Mal an 3D heran, und offensichtlich ist es eine Herausforderung für ihn. Als er kürzlich gefragt wurde, wie er mit dem Film vorankommt, hat er geantwortet: „Es läuft, es läuft. Es ist eine Erfahrung. Die Geometrie und überhaupt alles, man muss sich wirklich neu definieren. Man muss herausfinden, wie man die Geschichte noch einmal in Bildern mit diesem 3D erzählt. Das ist sehr spannend.“ Das heißt vermutlich nicht, dass er in Schwierigkeiten steckt, aber man kann auch nicht sagen, dass er großen Spaß daran hat. Wenigstens hat er eine vielfältige Starbesetzung, auf die er sich verlassen kann: Chloe Moretz, Ben Kingsley, Christopher Lee, Emily Mortimer, Sacha Baron Cohen, Jude Law, Ray Winstone und Asa Butterfield als der Junge.
  4. Spielberg vs. Spielberg. Das ist natürlich kein Film, sondern eher eine Situation. Zwei konkurrierende Studios lassen Ende 2011 Tim und Struppi: Das Geheimnis der „Einhorn“ und War Horse wenige Tage nacheinander an den Start gehen. Natürlich bleibt für die Studios noch genug Zeit, einen Rückzieher zu machen, aber wenn ich Wetten abschließen würde, würde ich auf die Zusammenarbeit zwischen Spielberg und dem Produzenten Peter Jackson setzen, die in den USA eine Wertschätzung für Hergé weckt, die er in Europa schon lange genießt. War Horse ist eine Adaption von Michael Morpurgos Roman über einen jungen Mann, der während des Ersten Weltkriegs in den Schützengräben kämpft und dabei auf der Suche nach seinem geliebten Hengst ist. Der Doppelschlag erinnert an ähnliche Paare von populären Blockbustern und preisträchtigen Geschichtsdramen in Spielbergs Karriere: z. B. Jurassic Park und Schindlers Liste 1993 oder Krieg der Welten und München 2005.
  5. Zwei von Soderbergh. Das Oeuvre des anderen berühmten Steven des US-amerikanischen Kinos ist für gewöhnlich sehr viel eklektischer als Spielbergs, aber nächstes Jahr übernimmt er die Regie in zwei Action-Thrillern. In Haywire mit Gina Carano, Ewan McGregor und Channing Tatum geht es um einen Soldaten, der Rache nimmt, während Contagion mit Matt Damon, Kate Winslet, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Marion Cotillard und Laurence Fishburne ziemlich genau das liefert, was es verspricht: Ein Ärzteteam kämpft gegen eine tödliche Krankheit, die sich rasend schnell ausbreitet. Ein drittes Projekt hängt noch in der Schwebe: Soderbergh wird sich eventuell wieder mit George Clooney zusammentun und die 60er-Jahre-Fernsehserie Solo für O.N.K.E.L. auf die Leinwand bringen.
  6. Source Code. Duncan Jones‘ Moon war ein beeindruckendes Debüt, ein atmosphärisches Science-Fiction-Stück, das auf einem schmalen Budget und einem furiosen Auftritt (oder, besser gesagt, mehreren furiosen Auftritten) von Sam Rockwell aufbaute. Im nächsten Projekt sehen wir Jake Gyllenhaal als Soldat, der wieder und wieder ein Bombenattentat auf einen Zug erlebt, bis er herausfindet, wer der Attentäter war, damit er den nächsten Terroranschlag verhindern kann.

Und dann gibt es natürlich immer die fraglichen Projekte, die sich vielleicht in Arbeit befinden. Würden wir gerne sehen, wie Park Chan-wook (Oldboy) beim geheimnisvollen Thriller Stoker mit Carey Mulligan und Jodie Foster Regie führt? Aber hallo. Oder wie wäre es mit Adieu au Langage? Diesen Film hat sich Jean-Luc Godard, der kürzlich einen Oscar für sein Lebenswerk erhalten hat, ausgedacht. Richard Brody vom New Yorker macht uns schon mal neugierig: „Es geht um ein Ehepaar, das nicht mehr dieselbe Sprache spricht. Der Hund, mit dem es Gassi geht, schaltet sich ein und spricht. Wie ich das mache, weiß ich noch nicht. Der Rest ist ganz einfach.“