Interview mit Naughty Dog, den Machern von Uncharted 2: Among Thieves

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Uncharted 2: Among Thieves Screenshot

Naughty Dog, die Entwickler des Action-Adventure-Kracher des Jahres, Uncharted 2, haben ins schöne Hamburg-Altona geladen. Selbstverständlich konnte ich mir diese Gelegenheit auf gar keinen Fall entgehen lassen und so fuhr ich mit dem Zug in die Hansestadt. Im sogenannten Eiskeller, ein stimmungsvoller Weinkeller inmitten einer wunderschönen Altbaugegend, konnte ich dann nicht nur ausgiebig den Nachfolger von Uncharted anspielen (ausgiebig ist gar kein Ausdruck. In abwechselnder Kooperation mit den anderen anwesenden Journalisten haben wir das Spiel sehr intensiv angespielt), sondern ich hatte auch das besondere Vergnügen, mich mit Justin Richmond (Lead Mulitplayer Designer) und Arne Meyer (Senior Studio Manager) zu unterhalten.

Also – Kein weiteres blabla, hier ist das Interview mit Justin und Arne:

PS-Blog: Hi Justin, Hi Arne, schön euch zu sehen. Habt ihr schon mal von einer Frau namens Lara Croft gehört?

ND: (lacht) Nein!

PS-Blog: Das dachte ich mir. Worauf ich eigentlich hinaus will ist: Was ist die Idee hinter der Figur Nathan Drake? Warum muss es die Uncharted-Serie geben und nicht einfach noch ein weiteres Indiana Jones oder Tomb Raider-Spiel?

ND: Ich denke, dass Drake sich schon deutlich abhebt. Er ist dieser Typ Charakter der all die Eigenschaften in sich versteckt die man selber vielleicht von anderen kennt. Auf der einen Seite schicken wir den Spieler in die ganze Aktion, aber wir konfrontieren ihn auch mit persönlichen Entscheidungen, mit anderen Menschen, Liebe, Freunden. Ich will hier nicht zu abstrakt werden, aber es geht ja auch nicht nur um SEINE Persönlichkeit. Dahinter steht vielleicht auch die Frage nach der Natur des Menschen. Das Spiel stellt sich der Frage, wie wir in bestimmten Situationen reagieren würden. Es ist eine Geschichte über Vertrauen, das Spiel eröffnet die Möglichkeit der Diskussion wie wir auf bestimmte Menschen reagieren würden. Man bekommt dann das Beispiel Nathan Drake, dessen Wesen man erforschen aber auch benutzen kann, um sich mit solchen Situationen zu konfrontieren.

Uncharted 2: Among Thieves Screenshot


PS-Blog: Wo wir gerade von Leuten reden, denen Nate vertrauen oder nicht vertrauen kann: Ihr habt in Uncharted 2 ein paar neue Charaktere hinzugefügt. Auf wen dürfen wir uns freuen?

ND: Ganz am Anfang des Spiels führen wir Chloe Frazier und Harry Flinn ein. Beides Charaktere, die Nathan schon vorher kannte. Flinn hat eine große Ähnlichkeit mit Nathan. Er ist das was Nathan sein könnte, wenn es ihm um das Geld gehen würde. Er ist sehr zielstrebig, er will das Geld, er will den Schatz und er ist bereit, dafür auch noch mehr Grenzen zu überschreiten als Nate. Dann gibt es Chloe die scheinbar zu allen Menschen eine recht tiefe Beziehung pflegt, die ihr helfen können, ihre Ziele zu erreichen. Es gibt immer wieder einschneidende Wendungen im Spiel, die Nate vor die Frage stellen ob er Flinn vertrauen kann, ob er Chloe vertrauen kann. Dann haben wir noch Jeff, den Kameramann von Elena und einige andere, die ihr im Laufe des Spiels kennen lernen werdet

PS-Blog: Nathan Drake lebt (wortwörtlich) von seinen Fähigkeiten. Hat er irgendwelche neuen Moves gelernt?

ND: Ja, wir haben die Spielszenen alle noch ein wenig verzwickter aufgebaut. Ganz zu Beginn klettert Nate völlig auf sich allein gestellt an einem entgleisten Zug um sein Leben. Generell wurden die Umgebungen komplexer, man kann sich überall hoch hangeln, in Deckung gehen, sich gegenseitig Deckung geben, aus der Deckung schießen, sich Dinge ansehen, wir haben alle Mechaniken aus dem ersten Spiel grunderneuert und man wird merken, dass alles noch sehr viel intensiver geworden ist. Man muss alle diese Dinge ja auch als die Eigenschaften des gesamten Action-Paketes sehen, dass wir in dieses Spiel gepackt haben. Wir haben versucht, dem Spieler das Gefühl zu vermitteln, dass er ständig mit allem rechnen muss. Selbst wenn man gerade in einem Puzzle-Teil ist, kann es immer passieren, dass man blitzschnell hellwach sein muss, weil man sich vor Angreifern schützen muss. Auch soll es bewirken, dass der Spieler eine gewisse Entscheidungsfreiheit bekommt. Manche Spieler möchten sich einfach in die Action stürzen, andere wollen mehr stealth-mäßig agieren. Das Spiel vermittelt dem Spieler die Action die er will.

PS-Blog: Wie ist denn der Mix im Spiel? Wie groß ist der Puzzle-Anteil, wie groß der Kampfanteil?

ND: Wir haben uns mal auf dieses Verhältnis 60:40 geeinigt, aber das ist eine recht merkwürdige Zahl, weil das Spiel so eigentlich nicht abläuft. Man löst selten einfach nur ein Rätsel. Lass es uns so ausdrücken wie wir es vorher ja bereits erwähnt haben. Man kann kaum eine Szene eindeutig einer Seite zuschreiben. Sicherlich wird es Szenen geben, die man eher der Puzzleseite zuordnen wird, aber dann kann es sehr schnell wieder zu einem Kampf kommen, manchmal ja auch verbunden mit einer Kletterpassage. Also sagen wir, es ist 60:40 Action, aber nur weil viele Puzzle- oder Kletterszenen auch Kampfanteile enthalten. Es gibt aber natürlich auch vereinzelt reine Puzzleszenen.

Uncharted 2: Among Thieves Screenshot

PS-Blog: Ok, kommen wir zum Multiplayer. Was habt ihr den Fans da zu bieten?

ND: Den besten Multiplayer aller Zeiten. (lacht) Nein, Spaß beiseite. Nach dem ersten Spiel haben wir uns gefragt, was wir noch verbessern können, wo sind noch Schwachstellen. Es hat sich dann herausgestellt, dass uns der Multiplayer noch gefehlt hat. Wegen des großen Erfolges wurde unser Team dann um einige ganz hervorragende Leute erweitert, die sich um die Umsetzung gekümmert haben. Die Qualität des Spiels hat sich dadurch sehr verbessert, wir haben immer wieder Ideen ausgetauscht und mehrere Multiplayer-Modi entwickelt, die aber auch auf die Stärken des Singleplayers setzen. Ein einfaches Deathmatch enthält bei uns auch Kletterpassagen, man kann auch eher Stealth-mäßig vorgehen anstatt sich einfach in die Action zu stürzen. Wenn man keine Lust darauf hat, sich gegenseitig zu bekämpfen kann man genauso gut den Co-Op Modus für zwei oder drei Personen spielen. Der Co-Op Modus ist übrigens keine Singleplayerkampagne bloß zu zweit oder dritt gespielt. Wir haben hier die Story angepasst und auch die Rätsel erweitert. Viele Rätsel im Co-Op kann man auch nur Co-Op lösen. Da müssen dann zum Beispiel mal mehrere Schalter gleichzeitig betätigt werden. Für den Zwei-Spieler Modus muss man auch zwei Spieler benutzen. Wir haben dafür dann auch die Balance angepasst, man muss sich mit mehr Gegnern auseinandersetzen. Jeder Aspekt mit dem wir uns im Singleplayer auseinandergesetzt haben wurde für den Co-Op angepasst. Zusätzlich haben wir noch einige zusätzliche Co-Op-Modi eingebaut, zum Beispiel einen Survival Mode bei dem man sich zusammen gegen die ankommenden Gegnerwellen zur Wehr setzen muss. Zudem gibt es noch einige andere Features. Beispielsweise kann man Screenshots und bis zu 20 komplette Matches aufzeichnen, online stellen, verschicken oder werten lassen. Es gibt auch einen Editor, in dem man eigene Abenteuer bauen kann. Die kann man wiederum auch verschicken. Wir hoffen, dass sich dafür eine Community entwickelt.

Uncharted 2 CoOp Cloe & Drake Screenshot

PS-Blog: Klingt so, als ob euch der Multiplayer äußerst wichtig war!?

ND: Das ist er tatsächlich. Online-Gaming ist die Zukunft und wir wollten im Gesamtpaket Uncharted 2 diese Erfahrung nicht fehlen lassen. Wir bauen so einen wichtigen Teil des Spiels aber nicht nur damit wir irgendwas vorweisen können. Wir wollten das Beste heraus holen damit der Spieler, nachdem er den Singleplayer durch hat, nicht plötzlich aufhören muss zu spielen. Wir werden auch in Zukunft sehr intensiv am Multiplayer arbeiten. Die Struktur des Spiels ist extra so gehalten, dass wir einen guten Zugriff darauf haben, wir können on the fly Bugs beheben, sehr schnell auch Patches anbieten, DLC wird es auch geben.

PS-Blog: Stichwort DLC. Was könnt ihr uns dazu sagen? Wann? Was?

ND: Naja, bisher steht nur fest, dass wir ihn machen werden. Der Großteil unserer Truppe ist gerade im Urlaub, wir werden jetzt langsam wiederkommen und dann setzen wir uns zusammen und überlegen uns, wie wir die Sache angehen werden.

PS-Blog: Es ist also nicht so, dass ihr uns noch keine weiteren Details verraten wollt, ihr habt euch bisher einfach noch keine näheren Gedanken dazu gemacht?

ND: Ja, das stimmt. Im Moment wissen wir noch gar nicht, was wir da machen werden.

PS-Blog: Der DLC wird aber nur den Multiplayer betreffen, neue Maps etc.?

ND: Ja, es wird sich ziemlich sicher nur um den Multiplayer drehen. Der Single-Player ist schon ziemlich vollgestopft, die Geschichte wird sehr umfassend behandelt, das Spiel ist fertig.

Uncharted 2: Among Thieves Screenshot

PS-Blog: Vor ein paar Tagen konnte ich lesen, dass ihr wegen des großen Erfolgs der Uncharted-Reihe bereits über einen dritten Teil nachdenkt?

ND: Naja, es ist so: Wir entwickeln niemals eine IP nur für ein Spiel. Wir wollen immer sehr große und beliebte Serien entwickeln. Der Erfolg von Uncharted ist einfach ganz eindeutig, deswegen wollen wir natürlich ein drittel Spiel machen und stehen dafür auch in einer starken Position.

PS-Blog: Ihr werdet aber nicht davon abrücken, dass jeder Teil inhaltlich in sich abgeschlossen ist?

ND: Ja, die Storys werden auch weiterhin so aufgebaut. Man muss nicht jedes Spiel der Reihe spielen um ein einzelnes zu verstehen. Uns ist die einfache Zugänglichkeit zu den Spielen sehr wichtig. Unser Spiel soll den Leuten einfach Spaß machen. Die Action und Puzzleelemente sollen jeden unterhalten. Wenn man sich dann mehr für das gesamte Paket der Serie interessiert ist das auch möglich. Jemand der Uncharted 1 gespielt hat, hat dann zum Beispiel einfach ein bisschen mehr Hintergrundinfo über die Beziehung zwischen Drake und Helena.

PS-Blog: In den letzten Jahren spricht man in der Gaming-Community ständig über Unterscheidungen zwischen Core-Gamer und Casual-Gamer. Offensichtlich ist Uncharted 2 kein Casual-Game im klassischen Sinne, trotzdem sprecht ihr immer wieder von der leichten Zugänglichkeit des Titels. Habt ihr beim Programmieren darüber nachgedacht, welche Art von Gamer ihr erreichen wollt?

ND: Wir denken nicht groß darüber nach, für was für eine Art von Spieler unser Spiel sein sollen. Wir machen die Spiele, die wir selber spielen wollen. Es sollen einfach Spiele sein, bei denen jeder, der einen Controller in die Hand nimmt und spielen will, gut unterhalten wird. Deswegen haben wir ja auch diesen „Super-Easy“-Modus, bei dem unter anderem die Ziele automatisch anvisiert werden. Der ist so leicht, meine Mutter würde das schaffen und das ist unser Ziel. Wir wollen, dass jeder seinen Zugang zu dem Spiel findet. Gleichzeitig wollen wir auch ein Spiel, dass UNS Spaß macht, deswegen haben wir einen „Hard“-Modus der einem einiges abverlangt.

PS-Blog: Ok Jungs, danke für das tolle Interview und natürlich auch für dieses großartige Spiel.

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